Magdeburg l Bis zum Abend berieten die Länderchefs am Mittwoch mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Danach stand fest: Der Lockdown wird vorerst bis 7. März verlängert. In Sachsen-Anhalt sollen trotzdem ab 1. März zunächst Schulen und Kitas wieder öffnen. Auch Friseure dürfen wieder Kunden empfangen.

Die Kanzlerin hätte die Zügel auch länger straff gehalten: Bis 14. März sollte der Lockdown laut einer Beschlussvorlage des Kanzleramts ursprünglich dauern. Doch die Länderchefs protestierten. Die geltenden Auflagen sollen nun bis vorerst 7. März verlängert werden. Je nach Bundesland weichen die neuen Regelungen vor allem im Bildungsbereich ab. Die Ergebnisse im Überblick:

● Kitas und Schulen öffnen in Sachsen-Anhalt schrittweise ab 1. März. Es bleibt bei einem von Bildungsminister Marco Tullner (CDU) vorgestellten Plan. Abhängig vom Infektionsgeschehen in den jeweiligen Kreisen und Großstädten greift ein Stufensystem: Bei einer 7-Tage-Inzidenz von 50 bis 200 Neuerkrankungen je 100.000 Einwohner findet eingeschränkter Regelbetrieb statt.

Heißt: In Grundschulen wird vor Ort unterrichtet, Präsenzpflicht besteht aber nicht. Unterricht für anwesende Schüler erfolgt in festen Lerngruppen. Jahrgänge weiterführender Schulen sollen im Hybridmodell mit kleineren Lerngruppen und einem Wechsel von Heim- und Fernunterricht lernen.

Ab einer Inzidenz von 200 müssen die Schulen generell zurück in den Distanzunterricht. Bei Werten unter 50 soll Regelbetrieb mit Anwesenheit für alle Schüler gelten.

Für die Kindertagesstätten hatte Sozialministerin Petra Grimm-Benne (SPD) zuletzt eine flächendeckende Öffnung mit eingeschränktem Regelbetrieb ab 1. März in Aussicht gestellt.

Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) kündigte am Mittwochabend zudem an, Lehrer und Erzieher dürften in der Impfreihenfolge in eine höhere Priorität aufrücken. Derzeit steht die Berufsgruppe in der Gruppe 3, künftig soll sie sich in Gruppe 2 wiederfinden. Impfungen könnten so zwischen April und Juni möglich werden, ergänzte Haseloff.

● Friseure sollen ab 1. März ebenfalls wieder öffnen können, das gilt auch für andere körpernahe Dienstleistungen, wie Fußpfleger, die ohne Rezept arbeiten. Besuche sollen dabei aber nur auf Termin und nur geschützt durch medizinische Masken möglich sein.

● Über weitere Öffnungen wollen Länderchefs und Kanzlerin am 3. März beraten. Ein Inzidenzwert von höchstens 35 soll als Vorausetzung für weitere Lockerungen gelten.

Konkret werden laut Vorlage der Bund-Länder-Runde als nächster Schritt Öffnungen für Einzelhandel, Museen oder noch geschlossene Dienstleistungen genannt. Eine Vorgabe, die zunächst eine deutschlandweite Inzidenz von 35 als Voraussetzung vorsah, wurde gestrichen. Es reicht, wenn die Länder den Wert auf ihrem Gebiet erreichen.

„Sachsen-Anhalt muss zunächst aber die Zahlen aber in Richtung eines Inzidenzwertes von 50 drücken", sagte Haseloff nach der Schalte mit der Kanzlerin. Gestern lag der Wert im Land bei 98,7.

Das Kabinett will die Beschlüsse am Donnerstag in eine Landesverordnung gießen. Sie wird am Nachmittag vorgestellt.

Politiker aus Sachsen-Anhalt begrüßten die neuen Vorgaben in Teilen: "Dass nun immerhin behutsame Öffnungen der Schulen und Kitas anstehen, ist ein Lichtblick", sagte etwa der CDU-Bundestagsabgeordnete Tino Sorge. Es drohten schwere Kollateralschäden für die Zukunft einer heranwachsenden Generation, wenn nicht bald zum möglichst geordneten Betrieb zurückgekehrt werde.

Enttäuschend sei aber, dass angesichts sinkender Inzidenzwerte in Regionen wie Magdeburg nicht mehr Spielraum für regionale Lockerungen vorhanden sei.