Magdeburg l In der Affäre um vorgezogene Corona-Impfungen für Halles Oberbürgermeister Bernd Wiegand, Stadträte und Beigeordnete wächst der Druck auf den Stadtchef. Auf Vorstoß von Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) könnte am Freitag der Sozialausschuss im Landtag zu einer Sondersitzung zu den Vorgängen in Halle sowie zu Fällen vorgezogener Impfungen in Stendal, Wittenberg und dem Saalekreis zusammenkommen.

Aus der Politik kommt unterdessen scharfe Kritik am Umgang Wiegands (parteilos) mit offenen Fragen zur Vergabe von Restimpfdosen. CDU-Landesvize Marco Tullner sagte: „Was erwartet man von einem Oberbürgermeister, der sich in einer Krise befindet? In erster Linie Offenheit, Transparenz und Problembewusstsein.“ Wiegand aber werfe Nebelkerzen, agiere mit alternativen Fakten und zeige der Öffentlichkeit gegenüber ein despotenhaftes Verhalten. „So langsam wird’s eng.“

Katastropenschutzstab erklärt sich

Wiegand hatte vergangenen Freitag eingeräumt, bereits am 17. Januar geimpft worden zu sein. Ähnliches trifft auf andere hallesche Mandatsträger zu. Der OB rechtfertigt das Abweichen von der Impfverordnung (zuerst Über-80-Jährige, Pflegepersonal) damit, dass so der Verfall angebrochener Restimpfdosen verhindert werden sollte. In einem letzten Anruf seien nach medizinischem Personal zuletzt auch Amtsträger angerufen worden.

Grimm-Benne hatte Wiegand nach Bekanntwerden der Vorgänge darauf hingewiesen, dass auch Restimpfdosen stets zu Gunsten von Personen der höchsten Priorität zu verwenden sei. Wiegand räumte Kommunikationsfehler ein, wies Kritik in der Sache aber in einer Video-Pressekonferenz am Mittwoch erneut zurück. Auf Nachfragen sagte er unter anderem: Er lehne es ab, Antworten auf bereits beantwortete Fragen immer wieder zu wiederholen. Vieles sei auf der Webseite der Stadt nachzulesen. "Wenn Sie meinen, Sie könnten hier ein Verhör führen, liegen Sie falsch", sagte Wiegand zu einem Journalisten.

Der Katastrophenschutzstab der Stadt teilte am Mittwochabend in einer gesonderten Erklärung mit: Elf Mitglieder des erweiterten Gremiums seien ebenfalls bereits geimpft. Hinzu kämen vier weitere Mitglieder, darunter drei Ärzte. Namen wurden nicht genannt. Auch der Geschäftsführer der städtischen Tochter Stadtwerke Halle sitzt im Gremium. Auf eine Volksstimme-Anfrage vom Dienstag, ob die Geschäftsführung geimpft sei, verwiesen die Stadtwerke auf den Datenschutz.

In seiner Mitteilung verteidigte der Stab, dass seine Mitglieder auf Impflisten gesetzt wurden. Dies sei geschehen, um ein wichtiges Gremium entscheidungsfähig zu halten. Öffentlich sei das aber nicht ausreichend dargelegt worden, räumten die Autoren ein.