Magdeburg l Kliniken in Sachsen-Anhalt rechnen nach den beschlossenen Lockerungen der Corona-Auflagen häufig mit einem Stau an abzuarbeitenden Operationen und Behandlungen. Die Pfeifferschen Stiftungen Magdeburg beispielsweise meldeten 25 Prozent weniger Auslastung durch die Pandemie. Geplante OPs laufen jetzt wieder an, sagte Sprecherin Nancy Thiede gestern. Normalerweise werden in der Orthopädie der Stiftungen 1300 Endoprothesen pro Jahr eingesetzt. Aufgelaufene Eingriffe würden nun peu a peu nachgeholt.

870 Patienten weniger operiert

Im Uniklinikum Magdeburg wurden im Vergleich zum Vorjahr im März und April 870 Patienten weniger operiert. Auch die Ameos-Gruppe teilte mit: In den vergangenen Wochen habe die Auslastung ihrer Häuser teils bei nur 50 Prozent gelegen. Inzwischen sei sie wieder auf 70 Prozent gestiegen. An Kapazitätsgrenzen stoße man bei der Abarbeitung von OPs aber nicht.

Landesweit lag die Auslastung der Kliniken nach Angaben der Krankenhausgesellschaft in den vergangenen Wochen wegen der Pandemie nur bei durchschnittlich 60 bis 65 Prozent.

Zentral erfasste Zahlen zu aufgeschobenen OPs gibt es laut Sozialministerium nicht. Die Politik hatte die Klinikbetreiber im März gebeten, Betten-Kapazitäten für mögliche Covid-19-Patienten freizuhalten. Alle planbaren OPs wurden daraufhin verschoben. Die Corona-Krise könnte vor allem für größere Kliniken unterdessen zur Kostenfalle werden. Zwar bekommen die Häuser aus dem „Covid-19-Krankenhausentlastungsgesetz“ eine Tagespauschale von 560 Euro je freigehaltenem Bett und weitere Zuschüsse.

Aus Angst nicht in die Klinik

Für die Behandlung schwerer Fälle dürfte das aber nicht reichen, sagte Gösta Heelemann, Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft. Das gelte vor allem für Versorger mit hochspezialisierten Therapien, wie die Unikliniken. Noch immer erreichten die Gesellschaft zudem Meldungen, dass Patienten aus Angst vor Corona notwendige Behandlungen absagen.

Die Unikliniken Magdeburg und Halle rechnen wegen der Folgen der Pandemie mit Rekorddefiziten. Magdeburg kalkuliert mit einem Minus von 65 Millionen Euro, Halle mit bis zu 30 Millionen Euro. Andere Länder sind offenbar noch schlimmer betroffen. Nach Angaben von Finanzern im Land stellt sich Hessen mit seinen fünf Unikliniken gar auf ein Milliardendefizit ein.

Guter erster Schritt

Wegen der Lage hat ein Expertenbeirat im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums die Arbeit aufgenommen. Zur Debatte steht auch die Anhebung der Tagespauschale für Unikliniken. Sachsen-Anhalt unterstützt eine entsprechende Länderinitiative. „Das Covid-19-Krankenhausentlastungsgesetz war ein guter erster Schritt“, sagte CDU-Politiker Tino Sorge, seit 2013 Mitglied im Gesundheitsausschuss des Bundestags, zum Thema. Entscheidend sei jetzt, dass die Hilfen zielgenau den Kliniken in Sachsen-Anhalt zugutekommen. „Klar ist aber, dass wir als Gesetzgeber auch kurzfristig eingreifen werden, sollten die Hilfen nicht ausreichen.“

Sozialministerin Petra Grimm-Benne (SPD) hat die Kliniken unterdessen gebeten, weiter 20 Prozent ihrer Kapazität für Corona-Patienten freizuhalten, auf Intensivstationen 25 Prozent.