Magdeburg/Aschersleben/Thale (dpa) l In den derzeit aus Vorsicht geschlossenen Zoos, Tierparks und Tiergärten im Land gibt es keinen Stillstand. Neben der täglichen Versorgung, Pflege und Beschäftigung der Tiere liefen in einigen Anlagen trotz Corona-Krise verschiedene Bau- und Instandsetzungsmaßnahmen, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab. "Wir arbeiten trotz Sperrung mit Hochdruck daran, die Erweiterung der Löwenanlage fertigzustellen", sagte Alexander Beck von der Ascherslebener Kulturanstalt, unter deren Dach der Zoo in Sachsen-Anhalts ältester Stadt im Salzlandkreis arbeitet. Auch der Umbau der Jaguaranlage zur Amurleopardenanlage gehe weiter.

 

Laut Beck werden die rund 420 Tiere in gewohnter Qualität betreut  Engpässe beim Futter gibt es aktuell keine. "Wir haben immer eine Vorratshaltung im Futtermittelbereich. Für alle Fälle haben wir einen kleinen Bestand an Trockenobst und Obstkonserven angelegt und bei den Frostwaren aufgestockt." Der finanzielle Schaden werde aber sehr groß sein. Beck schätzt, dass in der anberaumten Schließzeit bis 19. April rund 40.000 Euro Einnahmen aus Eintrittsgeldern fehlen – abgesagte Führungen und Veranstaltungen nicht eingerechnet. 

Der Zoo Magdeburg, der in diesem Jahr seinen 70. Geburtstag feiert, muss an diese Summe nach eigenen Angaben noch eine Null dranhängen. "Alle geplanten Investitionen kommen auf den Prüfstand", sagte Zoo-Sprecherin Regina Jembere. Nach der Schließung am 17. März habe der Magdeburger Zoo seine gewohnte Dienstplanstruktur abgelegt. "Wir arbeiten jetzt mit getrennten Teams in Zeitgruppen." Mögliche Ansteckungsgefahren sollen so reduziert werden, die Pflege und Versorgung der mehr als 1000 Tiere bleibe davon unberührt. Doch es werde nicht nur gefüttert - ein bisschen Unterhaltung müsse auch  sein. "Den Tieren fehlen die Besucher", so Jembere.

Neben dringend notwendigen Instandsetzungen an den Anlagen des Zoos würden die Handwerker gerade auch bei der Installation einer Media-Tafel bei den Weißkopfseeadlern mit anpacken. "Und unsere Gärtner bereiten die 20 Hektar große Parklandschaft auf Frühling und Sommer vor", sagte Jembere. Natürlich mit weniger Personal als üblich.

Bei weiterhin regulärem Dienst herrscht auch im Halberstädter Tiergarten Tatendrang. "Wir bauen Gehege und gestalten Grünflächen und Anlagen um", sagte Leiter David Neubert. Für einige der rund 250 Tiere werde sich aktuell mehr Zeit genommen – Besucher bedeute immer auch aktiv sein. Laut Neubert sei der finanzielle Schaden für den kleinen Tiergarten derzeit noch nicht bezifferbar. "Das fehlende Osterfest wird sich deutlich bemerkbar machen."

Um Arbeiten, die sonst nicht so intensiv verfolgt werden können, kümmern sich aktuell auch die Mitarbeiter des Tiergartens in Stendal. "Es werden beispielsweise die Inhalte der Schaukästen neu gestaltet, einige Außengehege aufgearbeitet, Liegebretter für die Tiger erneuert und die Kinderspielautomaten repariert", sagte Armin Fischbach von der Stadt Stendal. Auch die Grünflächenpflege falle gerade in den Aufgabenbereich der Angestellten.

Fischbach zufolge fehlen dem Stendaler Tiergarten monatlich etwa 10.000 Euro. Weil die Stadt der Betreiber ist, werde das Defizit aus dem Haushalt ausgeglichen. Keine Sorgen bereite die Futterversorgung. "Bereits vor einigen Wochen haben wir einen Vorrat an Grundfuttermitteln wie Heu, Getreide oder Futterfleisch angelegt", sagte Fischbach. Örtliche Händler würden außerdem täglich aussortiertes Obst und Gemüse spenden.

Im Tierpark Thale auf dem Hexentanzplatz gibt es laut Leiter Uwe Köhler auch genug zu tun, doch es fehlt an Geld. "Künftig müssen wir noch stärker als bisher aus Kostengründen schieben", sagte er. Gut 300 Tiere heimischer Arten werden gerade von einem vierköpfigen Team betreut. "Die täglichen Versorgungsfahrten laufen wie immer", so Köhler, der sich eigentlich auf das Ostergeschäft gefreut hatte. "Da ist im Harz immer viel los. Vor allem auf dem Hexentanzplatz und bei uns im Tierpark." Der Tierpark Thale gehört zur Bodetal Tourismus GmbH.

Der Verband der Zoologischen Gärten hat wegen der Corona-Krise am vergangenen Dienstag sofortige Unterstützung für die Einrichtungen gefordert. Laut Verband ist ein Soforthilfe-Programm in Höhe von 100 Millionen Euro für mehr als 50 Zoos in Deutschland nötig.