Magdeburg/Halle (dpa) l Wo sonst kurz vor acht Schülerhorden zu Fuß und mit dem Fahrrad entlangströmen, war am Montag vielerorts kaum jemand zu sehen. Auf die am Freitagnachmittag kurzfristig verkündete Schließung von Schulen und Kitas wegen des sich ausbreitenden Coronavirus hatten sich zum Wochenstart offenbar sehr viele Familien eingestellt. Lehrerinnen und Lehrer nahmen mit Eltern und Schülern Kontakt auf, um Aufgaben für die Zeit außerhalb der Schule abzusprechen. Das Land hält seit längerer Zeit digitale Lernplattformen bereit.

"An den Schulen ist ganz wenig los", schilderte ein Sprecher des Bildungsministeriums am Montag die ersten Rückmeldungen von Gymnasien und Sekundarschulen. In vielen Schulen sei niemand aufgetaucht. "Die Menschen gehen mit der Situation schon sehr verantwortungsvoll um." In den kommenden Tagen werde das Ministerium eine genaue Abfrage starten, wie groß der Betreuungsbedarf ist.

Die Kitas waren am Montag – wie auch noch am Dienstag – mit einer Notbetreuung für alle Kinder geöffnet. Von Mittwoch (18. März) an werden laut Sozialministerium nur noch Kinder solcher Eltern betreut, die zur Gruppe der unentbehrlichen Schlüsselpersonen gehören. Dazu zählen etwa medizinische, pflegerische und pharmazeutische Berufe, die Justiz, Landesverteidigung, Feuerwehr, Rettungsdienst und Katastrophenschutz sowie Berufe, die zur Sicherstellung der öffentlichen Infrastruktur und Versorgung mit Lebensmitteln und Hygieneartikeln beitragen.

In Halle folgten die allermeisten Eltern dem Aufruf, ihre Kinder zuhause zu betreuen, wie Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) am Montagmittag sagte. In der Stadt haben offiziellen Angaben zufolge Eltern von 7 Schulkindern und 26 Kitakindern die Notbetreuung in Anspruch genommen. Seit Montag bis zu den Osterferien sind die Schulen und Kitas in Sachsen-Anhalt geschlossen. Damit soll die Verbreitung des Erregers Sars-CoV-2 verlangsamt werden. Bis Montagmittag gab es mehr als 60 bestätigte Coronavirus-Fälle in Sachsen-Anhalt. Das geht aus Angaben des Sozialministeriums sowie der Städte Halle und Magdeburg hervor.

Die Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Eva Gerth, kritisierte die Kurzfristigkeit der Entscheidung für die Schulschließungen. "Wir hätten gern zwei, drei Tage gehabt zur Vorbereitung." Nun hätten am Montag vielfach erst einmal Dienstberatungen an den Schulen stattgefunden. Gerth sagte: "Es wird ruhig und sachlich reagiert." Man versuche, das beste aus der Situation zu machen. Viele Lehrkräfte seien schon "im Internet zu Hause".