Magdeburg l Nach den von Bund und Ländern beschlossenen Lockerungen im Umgang mit der Corona-Pandemie fordert die Landes-Krankenhausgesellschaft, schrittweise auch in Kliniken zum Normalbetrieb zurückzukehren. Damit „würde den Interessen von Patienten Rechnung getragen, die sonst vielleicht Monate auf Eingriffe warten müssten“, so Geschäftsführer Gösta Heelemann gestern.

Ausgleichszahlungen reichen nicht

Auf Bitten der Politik verschieben die Kliniken seit 16. März alle planbaren Operationen. Ziel ist es, Intensiv-Betten für Corona-Patienten freizuhalten. Zum Katastrophenfall sei es glücklicherweise nicht gekommen, sagte Heelemann. Laut Sozialministerium standen am Mittwoch landesweit knapp 580 Intensiv-Betten zur Verfügung. 36 waren mit Covid-19-Patienten belegt, davon wurden 19 beatmet.

Den Kliniken geht es auch um Geld: Im Gegenzug für OP-Verschiebungen bekommen sie Zahlungen aus dem sogenannten Covid-19-Krankenhausentlastungsgesetz. 560 Euro Tagespauschale erhalten sie, vereinfacht gesagt, für jedes – im Vergleich zur Vorjahresbelegung – leer bleibende Bett. Bis zu 85.000 Euro gibt es zudem für den Aufbau jedes zusätzlichen Intensiv-Bettes mit Beatmungsgerät. Ob das reicht, ist offen. Gösta Heelemann sagte: Bei Behandlungen schwerer Fälle genüge die Pauschale nicht. Zu vermuten sei, dass der Betrag vor allem für Häuser mit hochspezialisierter Therapie, wie Uniklinika, zu niedrig ausfällt.

Patienten meiden Kliniken aus Angst

Zweites Problem: „Uns erreichen besorgniserregende Rückmeldungen, dass Einweisungen etwa wegen Verdachts auf Herzinfarkt deutlich zurückgegangen sind“, so Heelemann. Es gebe offensichtlich Patienten, die sich aus Angst vor Corona nicht trauen, ein Krankenhaus zu betreten.

Kliniken bestätigen das. „Patienten sagen ohne Abstimmung geplante Eingriffe ab“, erklärte Ameos-Regionalgeschäftsführer Frank-Ulrich Wiener. Die Belegung der Ameos-Kliniken liege bei nur 50 bis 60 Prozent der üblichen Auslastung. Das Altmark-Klinikum in Gardelegen und Salzwedel meldet eine Auslastung von nur 39 Prozent seit Mitte März. Ein Jahr zuvor waren es 67 Prozent. „Unsere Ärzte befürchten, dass Patienten aus Angst, sich zu infizieren, Kliniken und Ambulanzen meiden“, sagte eine Sprecherin. Auch die Pfeifferschen Stiftungen Magdeburg bestätigen den Trend.

Der Chef des Uniklinikums Magdeburg, Hans-Jochen Heinze, hatte Patienten erst vor Ostern aufgerufen, bei ernsten Symptomen zum Arzt zu gehen. Die Klinik hatte eigens Info-Videos auf ihrer Webseite veröffentlicht.

Lediglich Klinik-Betreiber Helios teilte mit: Patienten-Absagen gebe es nur vereinzelt. Sozialministeriumssprecherin Ute Albersmann sagte: Die beschlossenen Lockerungen seien eine Probe. „Man wird erst schauen müssen, wie sich die Zahlen entwickeln.“ Die Idee, Kapazitäten in Kliniken freizuhalten, sei genau für solche Lagen angedacht. Unabhängig davon würden medizinisch notwendige OPs weiter ausgeführt. Bürger sollten bei ernsten Symptomen den Arzt aufsuchen.

In Sachsen-Anhalt gehören laut Landesregierung 35 Prozent der Bevölkerung zur Risikogruppe für schwere Corona-Verläufe, etwa wegen Vorerkrankungen. In Bayern sind es nur 24 Prozent.