Halle (dpa) l Die Stadt Halle hat wegen der Corona-Pandemie den Katastrophenfall ausgerufen. Damit könnten wirksamere Maßnahmen zur Eindämmung von Sars-CoV-2 getroffen werden, teilte Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) am Dienstagabend mit. In der Stadt Halle habe sich die Zahl der bestätigten Infektionsfälle deutlich erhöht. Diese sei am Dienstag um acht auf nunmehr 27 gestiegen. Das sei der bisher größte Zuwachs an positiv Getesteten in der Stadt Halle an einem Tag. Zuletzt hatte die Stadt beim Hochwasser 2013 den Katastrophenfall ausgerufen.

Einer der neu bestätigten Fälle betreffe das Krankenhaus Martha-Maria in Halle-Dölau. Eine Mitarbeiterin der Klinik habe sich mit dem Virus infiziert. Eine Station des Krankenhauses sei deswegen unter Quarantäne gestellt worden.

Laut Katastrophenschutzgesetz des Landes Sachsen-Anhalt gelten besondere Regeln, wenn der Katastrophenfall ausgerufen wird. So können etwa Sperrgebiete eingerichtet werden. Menschen in einem Katastrophengebiet sind aber auch unter anderem dazu verpflichtet, Anweisungen von Einsatzleitern zu befolgen, Fahrzeuge und andere Geräte zur Katastrophenabwehr zur Verfügung zu stellen oder bestimmte Gebiete zu verlassen.

Die von der Landesregierung angeordneten Beschränkungen des öffentlichen Lebens kritisierte Wiegand als unzureichend. Am Dienstag hatte die Landesregierung verkündet, dass zahlreiche Kultur- und Freizeiteinrichtungen schließen müssen – ebenso wie bestimmte Läden im Einzelhandel. Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) betonte jedoch, dass die Versorgung mit Waren des alltäglichen Bedarfs gesichert sei. Wer weiter öffnen darf, muss strenge Vorgaben einhalten. Dabei folgt Sachsen-Anhalt größtenteils den Empfehlungen, auf die sich am Montag bereits Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Ländern geeinigt hatte.

Die Maßnahmen blieben deutlich hinter dem zurück, was die Stadt Halle schon vorige Woche eingeleitet habe, sagte Wiegand. Damit könnten große Ansammlungen von Menschen nicht konsequent unterbunden werden. "Die zahlreichen Ausnahmen werden der aktuellen Lage, gerade wie sie sich in Großstädten darstellt, nicht gerecht", sagte der Oberbürgermeister. "Das verstärkt den Eindruck, dass aktuell stets auf Ereignisse reagiert wird, deren Ursprung 10 bis 20 Tage zurückliegt."