Magdeburg l Ein paar Weihnachtssüßigkeiten leisten sie sich im Lagezentrum des Pandemiestabs. Ansonsten ist es im Raum im 1. Stock des Magdeburger Gesundheitsministeriums eher wenig heimelig: Rechner an Rechner steht um lange Tische, jeweils getrennt von Scheiben aus Plexiglas. Der Corona-Schutz, er gilt vor allem auch hier, in Sachsen-Anhalts Zentrum der Pandemie-Überwachung.

An Pinnwänden hängen Zettel zur Lage. So kritisch wie zuletzt war die seit Pandemie-Beginn im Frühling noch nie. Landesweit fast 240 Fälle pro Woche und 100.000 Einwohner registrierten sie hier auf dem vorläufigen Höhepunkt der zweiten Welle am 23. Dezember. Zum Vergleich: Während der ersten Welle im März lag das Maximum bei 17 Fällen je 100.000 Einwohner.

Auch jetzt, nach den Feiertagen, kommen täglich Dutzende Meldungen über neue Hotspots hinzu, sagt Heidemarie Willer, Leiterin des Pandemiestabs. Allein am Dienstag, 29. Dezember, gab es landesweit 572 Neuinfektionen.

Rund um die Uhr erreichbar

Dazu, jeden Fall bis auf den Herd zurückverfolgen zu können, seien die Gesundheitsämter trotz Unterstützung durch Bundeswehr und Landesbedienstete oft nicht mehr in der Lage. Stattdessen werden Fälle häufig mit dem Ziel erfasst, eine Weiterverbreitung des Virus zu verhindern. Doch wer steckt hinter dem Stab? Anfangs bestand das Team vor allem aus Mitarbeitern des Ministeriums, sagt Gesundheits-Staatssekretärin Beate Bröcker. Mit dem Aufflammen der Pandemie wurde das Personal im November aufgestockt.

Inzwischen arbeiten rund 25 Kollegen aus dem Gesundheitsministerium und anderen Ressorts in mehreren Schichten. Unterstützt werden sie von Fachberatern, aber auch externen Experten etwa aus den Uniklinika. Fünf bis acht Personen sind dabei ständig vor Ort. „Erreichbar ist der Stab ohnehin rund um die Uhr“, sagt Ärztin Willer. Jeden Tag um 13 Uhr gibt es eine Lagebesprechung, einmal wöchentlich außerdem eine sogenannte „große Lage“. Dann sind alle Ländergesundheitsminister, das Bundesgesundheitsministerium sowie das Robert-Koch-Institut (RKI) in der Leitung.

Unabhängig davon laufen täglich sämtliche Meldungen über Neuinfektionen im Land ein. Die Gesundheitsämter müssen diese spätestens 24 Stunden nach Registrierung ans Landesamt für Verbraucherschutz (LAV) melden. Das LAV wiederum übermittelt seine Liste dem Pandemiestab. Der gibt die Daten schließlich an das RKI Berlin weiter.

Krankenhaus-Kapazitäten

Doch nicht nur neue Fälle zählen sie hier. Einige Mitarbeiter führen Tagebuch. Bei Bedarf wird die Verteilung von Materialien koordiniert; so im Frühling von damals dringend benötigten Schutzmasken. „Die lagerten tonnenweise hier“, erinnert sich Beate Bröcker.

Auch über die Krankenhaus-Kapazitäten im Land wacht der Stab. Erst am Montag meldete Halle, dass vier Kliniken der Stadt die personelle Grenze erreichten. „Wenn es Engpässe gibt, werden Patienten innerhalb des Landes, aber auch zwischen Bundesländern im sogenannten Kleeblatt-Verfahren ausgetauscht“, sagt Bröcker. Sachsen-Anhalt arbeitet dabei eng mit Brandenburg, Berlin, Thüringen und Sachsen zusammen. Um bei Bedarf zusätzliche Kapazitäten zu schaffen, wurden im Land zudem gerade erst vier Reha-Kliniken zu potenziellen Aufnehmern für Nicht-Corona-Patienten erklärt.

Wie bewertet der Stab den Trend nach dem Fest? Die Zahlen sinken, sagt Stabsleiterin Willer. Wie belastbar das ist, lässt sich aber schwer sagen. Ein nicht geringer Teil des Rückgangs dürfte auf nicht erfolgte Meldungen zurückgehen, ein Teil aber auch auf die Effekte tatsächlich geminderter Kontakte. Eines lasse sich aber sagen, ergänzt Willer: „Diese Pandemie ist kein Elbe-Hochwasser, das nach vier Wochen endet. Eine solche Herausforderung hat es noch nie gegeben.“