DDR-Volksaufstand soll ins Zentrum der Demokratiegeschichte

Von dpa
Birgit Neumann-Becker schaut in die Kamera.
Birgit Neumann-Becker schaut in die Kamera. Klaus-Dietmar Gabbert/zb/dpa/Archivbild

Magdeburg - Sachsen-Anhalts Aufarbeitungsbeauftragte Birgit Neumann-Becker hat mehr Aufmerksamkeit für den DDR-Volksaufstand vom 17. Juni 1953 gefordert. „Dieser Tag gehört ins Zentrum der Demokratiegeschichte Deutschlands und ist ein besonderer Tag auf dem langen Weg zur Deutschen Einheit, der viel aufmerksamer berücksichtigt und gewürdigt werden muss“, erklärte Neumann-Becker am Dienstag.

Rund eine Million Menschen waren in der DDR am 17. Juni 1953 in rund 700 Orten gegen die politisch und wirtschaftlich angespannte Lage auf die Straße gegangen. Aus spontanen Streiks entwickelte sich ein Aufstand mit Rufen nach Freiheit und Einheit. Panzer der Sowjetarmee schlugen den Protest blutig nieder. Rund 10.000 Demonstranten wurden laut Bundesstiftung Aufarbeitung festgenommen, mehr als 1500 von ihnen zu Haftstrafen und einige zum Tode verurteilt.

In Mitteldeutschland hätten sich Arbeiter und Bauern, Frauen, Männer und Jugendliche gegen die SED-Diktatur erhoben und Demokratie und Freiheitsrechte gefordert, sagte Neumann-Becker. Die Aufarbeitung der tatsächlichen Vorgänge sei auch durch die Öffnung der Stasi-Akten gelungen, die nun in das Bundesarchiv übergehen.

Heute sei es wichtig, ganz konkret vor Ort die Ereignisse aufzuarbeiten und daran zu erinnern, betonte Neumann-Becker. Magdeburg, Halle, Merseburg, Bitterfeld, Wolfen, Jessen und viele weitere Orte im ländlichen Raum seien Zentren des Aufstands gewesen. „Unsere Freiheitsrechte wurden auch von den Frauen und Männern des 17. Juni 1953 und aus dem Herbst 1989 errungen.“ Die Aufarbeitungsbeauftragte betonte, der 17. Juni müsse zum Lehr-Kanon an den Schulen und in der politischen Bildung gehören, um die Wurzeln der Demokratiebewegung in Mitteldeutschland zu begreifen.