Magdeburg l Sachsen-Anhalts Polizisten sind Sonnabend (29. September 2018) am Limit. Angekündigt sind Demonstrationen in Magdeburg, Wittenberg und in Köthen (Landkreis Anhalt-Bitterfeld). Unterstützung aus anderen Bundesländern ist nur sehr begrenzt möglich. Auch wegen des türkischen Staatspräsidenten Erdogan, der ab Donnerstag (27. September) Deutschland besucht. Gegenproteste sind zu erwarten. Daher werden Einsatzkräfte aus ganz Deutschland zu den Kundgebungen in Berlin und in Köln zusammengezogen.

Hunderte Polizisten in Köthen

Somit fehlen Polizisten, um Veranstaltungen in Sachsen-Anhalt abzusichern. Vor allem die angemeldeten Versammlungen in Köthen (Landkreis Anhalt-Bitterfeld) binden Kräfte. Sie machen den Einsatz von mehreren Hunderten Polizisten, dazu Reiterstaffel und Wasserwerfer, erforderlich.

Geplant ist ein Aktionstag „Weltoffene Hochschulen“ der Köthener SPD mit der Hochschule Anhalt, zu dem etwa 2000 Teilnehmer erwartet werden. Zugleich ist ein von den Republikanern angemeldetes Rechtsrock-Konzert vorgesehen, bei dem Bands aus der rechtsextremen Hooligan-Szene auftreten wollen.

Das Innenministerium rechnet allein bei dieser Veranstaltung mit mehr als 1000 Teilnehmern aus dem gesamten Bundesgebiet.

Angekündigt ist in Köthen zum Beispiel die 1997 gegründete, bundesweit bekannte rechtsextremistische Hooligan-Band „Kategorie C – Hungrige Wölfe“). Diese gilt als Bindeglied zwischen der Hooligan- und der rechtsex­tremistischen Szene. Dort ist sie vor allem wegen ihrer gewaltverherrlichenden Lieder beliebt. Auftreten will auch die rechtsextreme polnische Band „Legion Twierdzy Wroclaw“.

Minister für Auftrittsverbot rechter Bands

Somit kommt Köthen seit Wochen nicht mehr zur Ruhe. In der Nacht zum 9. September war dort ein 22-Jähriger gestorben. Der Deutsche hatte sich schlichtend in einen Streit zwischen Afghanen eingeschaltet und war ins Gesicht geschlagen worden. Nach Behördenangaben starb er an einem Herzinfarkt. Zwei 18 und 20 Jahre alte Verdächtige sitzen in Untersuchungshaft.

Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) plädierte gestern dafür, dass der Auftritt vor allem der Rechtsrockband „Kategorie C – Hungrige Wölfe“ verboten wird.

Die Entscheidung darüber liegt beim Landkreis Anhalt-Bitterfeld, der zuständigen Versammlungsbehörde. Nach Angaben des Stadtsprechers wird voraussichtlich im Verlauf des heutigen Donnerstag entschieden, wer seine Versammlung wo abhalten darf.