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Der Eichenprozessionsspinner: Welche Regionen Sachsen-Anhalts sind besonders betroffen und wie giftig ist der Schädling?

Sie hinterlassen unschöne Gespinste sowie forstliche Schäden und sind dazu noch extrem giftig: Seit einigen Jahren breitet sich der Eichenprozessionsspinner auch in weiten Teilen Sachsen-Anhalts aus. Welche Regionen sind besonders betroffen und was gilt es zu beachten?

Von Linda May van Bui
So sehen sie aus: Eichenprozessionsspinner. Foto:
So sehen sie aus: Eichenprozessionsspinner. Foto: dpa/ Friso Gentsch

Magdeburg - In vielen Regionen des Landes wird seit einigen Wochen aktiv der Eichenprozessionsspinner bekämpft. Dabei gibt es unterschiedliche Maßnahmen: Beispielsweise Fadenwürmer, die in die Raupen eindringen sollen, das Versprühen von Insektiziden oder auch das mechanische Absaugen der Nester - ein "Allheilmittel" gibt es dabei allerdings nicht. Da eine 100-prozentige Entfernung der giftigen Schädlinge nicht garantiert werden kann, müssen vor allem Mensch und auch Tier achtsam sein. 

Wo ist der Eichenprozessionsspinner 2021 in Sachsen-Anhalt vermehrt vertreten?

Nicht über all im Land sind die kleinen Raupen gleich stark zu verzeichnen. Im süd-westlichen Teil Sachsen-Anhalts sind die Tierchen nahezu nicht zu finden. Im Norden sieht das allerdings anders aus. Das Landeszentrum Wald hat die aktuellen Verbreitungsgebiete grafisch dargestellt:

In diesen Regionen sind die Raupen vermehrt zu finden.
In diesen Regionen sind die Raupen vermehrt zu finden.
Quelle: Grafik:

Der Eichenprozessionsspinner lebt, wie sein Name schon sagt, ausschließlich an Eichen. In Deutschland sind das Trauben-, Stiel- und Roteichen. An den Stämmen und Ästen dieser Bäume bauen die Raupen im Frühsommer dann Nester aus weißen, seidenen Netzen.

Wann hat die Raupe Saison?

Nachdem im Herbst die Eier gelegt wurden, überwintern diese bis ins Frühjahr hinein. Ab April beginnt die Raupe zu schlüpfen und sich zu entwickeln. Dieser Prozess dauert ungefähr zwei bis drei Monate - in dieser Zeit durchlaufen die Raupen mehrere Larvenstadien, informiert der NABU.

Ab dem dritten Larvenstadium, ungefähr Anfang Mai, bilden sich die gesundheitsgefährdenen Brennhaare. In dieser Zeit kommen vielerorts dann auch die Bekämpfungsmaßnahmen zum Einsatz.

Den ganzen Sommer über, bis circa Ende August/ Anfang September, entwickelt sich die Larve zu einer Puppe und schlussendlich zu einem Falter. Auch in dieser Zeit besteht die hohe Gesundheitsgefährdung durch die sogenannten Brennhaare. 

Warum ist der Eichenprozessionsspinner so giftig?

Ab dem dritten Larvenstadium bilden die Raupen Brennhaare aus, die innen hohl sind und das Eiweißgift "Thaumetopoein" enthalten. Das sorgt bei Hautkontakt für allergische Reaktionen. Folgende Symptome können laut NABU dann auftreten:

  • Hautirritationen (Quaddeln, Eiterbläschen und Knötchen)
  • Augenreizungen (z.B. geschwollene Lider oder Bindehautentzündungen)
  • Fieber
  • Schwindel
  • in Einzelfällen allergische Schocks
  • beim Einatmen der feinen Härchen: Atembeschwerden wie Bronchitis und Asthma 

Bisher gebe es keine speziellen Medikamente gegen die Reaktion auf das Gift, lediglich die Symptome können gelindert werden - etwa mit Antihistaminika und kortisonhaltigen Salben. 

Mittels Absaugen der Nester, soll die Ausbreitung des Schädlings verhindert werden, um so Mensch und Natur zu schützen.
Mittels Absaugen der Nester, soll die Ausbreitung des Schädlings verhindert werden, um so Mensch und Natur zu schützen.
Foto: dpa/ Friso Gentsch

Was müssen Sie bei einer Berührung mit dem Schädling tun?

Sollte es zu einem Hautkontakt mit den Breenhaaren der Raupen gekommen sein, empfiehlt die Krankenkasse BARMER folgende Behandlungsmaßnahmen für zuhause:

  • gründlich abduschen, Körper und Haare waschen
  • Kleidung wechseln und getragene Kleidung ebenfalls gründlich waschen
  • Haut danach trockenföhnen (um eventuell verbliebene Härchen nicht einzureiben)
  • Kalte Kompressen (können Juckreiz und Schwellung lindern)
  • rezeptfreie Kortisonpräparate oder Antihistaminika

"Je nachdem, wie intensiv der Kontakt mit den Gifthärchen des Eichenprozessionsspinners war, verschwinden die Symptome nach etwa zwei Wochen wieder von selbst" erklärt Christopher Kissmann, Pressesprecher der BARMER.
Sollten die Symptome sich verschlimmern oder nicht aushaltbar sein, dann ist der Gang zum Arzt jedoch ratsam. Rezeptpflichtige Präparate können dann Abhilfe schaffen.

Auch für unsere geliebten Vierbeiner sind die Haare der Raupe giftig. Treten bei Hund oder Katze allergische Reaktionen auf, sollte auch dann ein Tierarzt aufgesucht werden.

Wie schützen Sie sich vor den reizenden Brennhaaren in der Natur?

Sollten Sie einen ausgiebigen Spaziergang oder eine Wanderung in der Natur planen, dann empfiehlt die Krankenkasse BARMER folgende, vorbeugende Schutzmaßnahmen

  • Offene Hautbereiche wie Nacken, Hals, Unterarme und Beine bedecken
  • Unbedingt vermeiden, die giftigen Brennhaare einzuatmen
  • Keine Gespinste berühren, auch nicht ältere und bereits verlassene

Sollte der Fall eintreten, dass man eine befallene Eiche im eigenen Garten hat, so wird geraten niemals selbst "Hand anzulegen". Es empfiehlt sich in so einer Situation Profis mit der Beseitigung der Gespinste und Schädlinge zu beauftragen.