Magdeburg l Der Facebook-Account, E-Mail-Adressen oder das online geführte Konto: Wer stirbt, hinterlässt heute Spuren im Internet. Die Hinterbliebenen müssen sich um dieses digitale Erbe kümmern. Und finden oft ein Durcheinander vor. „Für Erben kann es schnell unübersichtlich werden – gerade wenn der Verstorbene nichts geregelt hat“, sagt Gerald Arnold, stellvertretender Obermeister der Bestatterinnung Sachsen-Anhalt. Arnold leitet seit 2005 das „Erste Magdeburger Bestattungshaus“. Er erledigt für seine Kunden Abmeldungen.

Früher war das einfach: Rentenversorger informieren, der Anruf bei der Krankenkasse, eine handvoll Versicherungen, die benachrichtigt werden müssen und die Kündigung des Zeitungsabos. Doch die „Digital Natives“ (die Generationen, die in der digitalen Welt aufwachsen) werden älter. „Der Aufwand für Hinterbliebene wird tendenziell immer größer“, sagt Bestatter Arnold. Wie relevant das Thema ist, zeigt der Tod eines Mädchens 2012.

Facebook blockt Zugang

Die 15-Jährige war in Berlin von einer U-Bahn erfasst worden. Nach ihrem Tod verlangten die Eltern Zugang zum Facebook-Konto der Tochter. Doch das Netzwerk hatte das Profil in den Gedenkstatus versetzt, ein Profil-Status für Verstorbene. Facebook verweigerte den Einblick. Die Eltern klagten. Nach einem jahrelangen Rechtsstreit fällte der Bundesgerichtshof (BGH) im Juli dieses Jahres sein Urteil. Demzufolge sind Facebook-Inhalte vererbbar. Die Eltern bekamen recht. Die Entscheidung gilt über den Fall der Schülerin hinaus als richtungsweisend. Und sie verdeutlicht, welche Probleme mit dem digitalen Nachlass blühen.

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In einer repräsentativen Umfrage des Digitalverbands Bitkom sagen 80 Prozent der Internetnutzer, dass sie ihren Nachlass im Netz noch nicht geregelt hätten. „Viele versuchen, sich irgendwie durchzuwurschteln“, sagt BestatterArnold. Dabei gibt es inzwischen Unternehmen, die den Aufwand reduzieren. Das sind Firmen wie Columba oder Exmedio. 54 Bestatter in Sachsen-Anhalt arbeiten exklusiv mit Columba, einem digitalen Nachlassdienst, zusammen. Bedeutet: Die Firma durchkämmt das Netz nach Spuren des Verstorbenen. Online geschlossene Verträge, Nutzerkonten, Profile bei sozialen Netzwerken: Columba stöbert sie auf. Das Ab- und Ummeldesystem werde in Sachsen-Anhalt tagtäglich genutzt, sagt Columba-Mitgründer Christopher Eiler. Konkrete Zahlen nennt er nicht. Nur soviel: Sachsen-Anhalt sei bei der Nutzungsintensität im Vergleich der Länder hinten dran.

Und warum ist das so? Ein Grund könnten die zusätzlichen Kosten sein. Bestatter Arnold veranschlagt für den Extra-Service zwischen 120 und 350 Euro. Zu Beginn der Beratung prüfe der Bestattermeister ohnehin, ob der Dienst überhaupt notwendig ist. „Wenn Angehörige mit Sicherheit wissen, dass kaum etwas abzumelden ist, schaffen wir das allein“, so Arnold. Vier bis fünf Abmeldungen zählt er bei sich im Schnitt. In den 1300 Häusern, die Columba deutschlandweit mit der Software versorgt, sind es durchschnittlich zwölf An- oder Ummeldungen. Wer den Aufwand gering halten möchte und sich entsprechende Dienste sparen möchte, sollte selbst vorsorgen.

Frühzeitig vorsorgen

Notar Uwe Glöckner aus Magdeburg rät, eine Übersicht aller Benutzerkonten mit Benutzername und Passwort anzulegen. Im Falle des Ablebens darf eine vorher schriftlich festgelegte Vertrauensperson darüber verfügen. Die Angaben werden auf einem Stück Papier oder einem USB-Stick gespeichert. Die Lagerung in einem Bankschließfach bietet sich an. Die Verbraucherzentralen empfehlen einen Passwortmanager, der alles unter einem Masterpasswort speichert. Ein Musterformular für eine entsprechende Vollmacht gibt es auf der Webseite der Verbraucherschützer.

Vor allem gilt: Sich frühzeitig einen Überblick über Aktivitäten im Netz zu verschaffen, schadet nicht. „Die Regelung des digitalen Nachlasses in fremde Hände zu legen, sollte nur der letzte Ausweg sein“, findet Notar Uwe Glöckner.