Magdeburg (dpa) l Ein Netzwerk aus Forschungseinrichtungen in Magdeburg hat im ersten Jahr Hunderte kleine und mittlere Unternehmen bei der Digitalisierung beraten. Über Vorträge, Workshops und Veranstaltungen habe das Kompetenzzentrum Mittelstand 4.0 insgesamt rund 3500 Unternehmen erreicht, sagte Leiter Thomas Leich der Deutschen Presse-Agentur.

Die Forscher besuchten rund 100 Unternehmen vor Ort, um direkt über digitale Projekte zu sprechen. Vom kleinen Handwerksbetrieb bis zum großen Industrieunternehmen sei alles dabei gewesen, sagte Leich. Einen Sanitärbetrieb habe man etwa bei der Einrichtung eines Online-Termin-Services unterstützt. Das Kompetenzzentrum war vor rund einem Jahr im Rahmen einer Initiative des Bundeswirtschaftsministeriums an den Start gegangen. Deutschlandweit gibt es 23 weitere dieser Netzwerke.

Google ist kein gutes Vorbild

Häufig müssten es gar keine Großprojekte sein, erläuterte Leich. „Es geht nicht darum, dass sich das ganze Unternehmen aufstellt wie Google.“ Einen Sanitärbetrieb habe man etwa bei der Einrichtung eines Online-Termin-Services unterstützt. Das Unternehmen will so seine Fahrrouten optimieren und tüftelt an einem Rabattsystem, das Termine günstiger macht, wenn sie sich auf einer Route kombinieren lassen.

Ein anderer Betrieb habe wegen der Einrichtung eines Web-Shops im Internet angefragt. „Solche Projekte ziehen oft andere Dinge nach sich, in diesem Fall etwa die Digitalisierung des Lagerbestands.“ Ein anderer Ansatz sind sogenannte Konvois: Unternehmen schließen sich zusammen und berichten sich regelmäßig von ihren Fortschritten. „So etwas spornt an, eigene Projekte zu entwickeln“, erklärte Leich.

Künftig will Leich vor allem Unternehmen gewinnen, die noch gar nicht über digitale Projekte nachgedacht haben. Gearbeitet werde deshalb an einem Digitalisierungs-Check, den Betriebe online machen können, um zu sehen, wo es Potenzial gibt. Leich zufolge gibt es immer noch viele Betriebe, die glauben, Digitalisierung betreffe sie gar nicht. Auch die gewerblichen Kammern sehen in der Digitalisierung einen Megatrend. „Wer einen solchen Trend verschläft, büßt notwendiges und mögliches zukünftiges Wachstum ein“, kritisierten die Industrie- und Handelskammern Halle-Dessau und Leipzig.