Magdeburg l Unverständlich formulierte Aufgaben, Inhalte, die nicht Bestandteil des Lehrplans waren, ein insgeamt viel zu hohes Anspruchsniveau – nach Kritik von Oberstufenlehrern am schriftlichen Mathematik-Abitur (auf erhöhtem Niveau) fordern Bildungspolitiker in Sachsen-Anhalt Konsequenzen:

„Die Schulbehörden müssen rasch reagieren und nicht erst warten bis Gerichte aufgrund von Schülerklagen über die Abitur-Fragen urteilen“, sagte Linken-Fraktionschef Thomas Lippmann am Dienstag. Er forderte die Einsetzung einer externen Kommission geeigneter Fachkräfte, die Erfahrungen mit dem Abitur im Land haben. Binnen 14 Tagen sollte sie strittige Aufgaben prüfen und dem Bildungsministerium dann eine Empfehlung geben, ob es Schülern etwa Nachprüfungen anbieten sollte.

Auch die SPD fordert Aufklärung. „Wenn Lehrer selbst sagen, dass sie Schwierigkeiten haben, Aufgaben zu verstehen, habe ich keinen Grund, das anzuzweifeln“, sagte Bildungsexpertin Angela Kolb-Janssen.

Abitur vergleichbarer machen

Die Fraktion will die Erstellung von Abituraufgaben außerdem auf die Tagesordnung des Bildungsausschusses im Landtag heben. Das Problem: Um das Abitur in Deutschland vergleichbarer zu machen, bedienen sich die Kommissionen, die das Zentralabitur in Sachsen-Anhalt erstellen, seit zwei Jahren eines länderübergreifend erarbeiteten Aufgabenpools. „Das Ziel bundesweiter Vergleichbarkeit des Abis darf dabei aber nicht dazu führen, dass die Kommissionen sich an Aufgaben orientieren, die mit dem Unterricht in Sachsen-Anhalt nichts mehr zu tun haben“, sagte Kolb-Janssen.

Mit dem Vorstoß reagierte die SPD-Bildungsexpertin auf die Teilkritik von Lehrern, dass beim Mathe-Abi Inhalte geprüft wurden, die nicht Bestandteil des Lehrplanes waren.

Lehrpläne und Aufgabenstellungen

Das Bildungsministerium, dem am Montag noch keine auf dem Dienstweg formulierte Kritik an der Prüfung vorlag, bestätigte unterdessen den Eingang zweier schriftlicher Hinweise. Bis Freitag würden diese von Landesschulamt und dem zuständigen Landesinstitut für Schulqualität und Lehrerbildung (LISA) geprüft, sagte Sprecher Stefan Thurmann. Dabei solle abgeglichen werden, ob Lehrpläne und Aufgabenstellungen zueinander passen.

Der Landesschülerrat bekräftigte gestern die am Dienstag bekannt gewordene Kritik von Lehrern am Mathe-Abi. „Schon unmittelbar nach der schriftlichen Prüfung gab es Proteste von Abiturienten – sowohl an verwirrenden Formulierungen als auch an Themenkomplexen, die nicht behandelt wurden“, sagte Vorsitzender Michael Benecke. Überregional sorgt die Beschwerde von Lehrern in Sachsen-Anhalt über das Mathe-Abi für Aufsehen. So berichtete am Dienstag Spiegel-Online.