Quedlinburg l Das Amtsgericht Quedlinburg hat am Sonnabend Haftbefehl gegen den 31-jährigen mehrfach vorbestraften Gewalttäter Paul G. wegen gefährlicher Körperverletzung erlassen. Er soll am vergangenen Montag eine 53-jährige Joggerin angefallen und verletzt haben. Erst vor acht Monaten war er nach dem Verbüßen einer Haftstrafe wegen eines ähnlichen Angriffs auf ein elfjähriges Mädchen aus dem Justizvollzug entlassen worden. Die Staatsanwaltschaft hatte nach seiner erneuten Festnahme am Montag zunächst keinen Haftantrag gestellt, weil die Beweise nicht ausreichten. Im Laufe der Woche wurde allerdings die bei einer Durchsuchung sichergestellte Kleidung des Quedlinburgers auf DNA-Spuren untersucht. Dies ergab nach Volksstimme-Information einen Treffer. Gegen ihn wird nun zunächst wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt. Die Polizei hatte Paul G. bereits am Freitag erneut festgenommen, nach dem das Ergebnis der Untersuchung feststand.

Paul G. soll die 53-jährige Joggerin im Brühlpark in Quedlinburg mit einem unbekannten Gegenstand mehrmals auf den Kopf geschlagen haben. Das Opfer blutete, rief um Hilfe und schleppte sich in Richtung einer Parkbank auf der ein Mann saß. Dieser alarmierte den Rettungsdienst. Ein anderer Passant nahm die Verfolgung des flüchtenden Täters auf und sah Paul G. in seiner Wohnung verschwinden. Bei einer anschließenden Durchsuchung konnte auch blutbehaftete Kleidung sichergestellt werden, dass nun dem Opfer zugeordnet werden konnte.

Die Strafverfolgungsbehörden kennen den Quedlinburger seit langem. 2017 war er zeitweise der einzige Gewalttäter im Land, der aufgrund seiner Gefährlichkeit eine elektronische Fußfessel bis zu seinem Berufungsprozess überwacht wurde. Das Gericht hatte es damals als erwiesen angesehen, dass Paul G. in einem Waldstück in Quedlinburg eine Elfjährige im Februar 2017 angegriffen und verletzt hatte. Weil der Täter flüchtete, klagte die Staatsanwaltschaft den Mann nur wegen Körperverletzung und nicht wegen versuchter Vergewaltigung an. Nach dem Urteil vom Amtsgericht Quedlinburg legte er Berufung ein, die aber im August 2017 verworfen wurde.

Vor dieser Tat hatte Paul G. gerade eine Haftstrafe wegen versuchten Mordes und Vergewaltigung verbüßt. Er hatte 2008 mit seinem Halbbruder eine 18-Jährige ebenfalls in Quedlinburg überfallen, vergewaltigt und mit einem Messer 20-mal auf die junge Frau eingestochen. Sie überlebte nur knapp. Das Gericht verurteilte ihn dafür zu neun Jahren Haft. Sein Halbbruder sitzt noch eine lebenslängliche Freiheitsstrafe wegen Doppelmordes an seinem Vater und der Stiefmutter ab. Schon 2007 war Paul G. wegen Körperverletzung zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und acht Monaten verurteilt worden. Er hatte einen Mitschüler verprügelt.

 

Weil es im Jahr 2017 mehrere Monate dauerte bis das Landgericht einen Termin für die Berufungsverhandlung fand, durfte sich Paul G. frei bewegen. Er bezog eine Wohnung neben einer Kindertagesstätte. Dies rief Proteste hervor, so dass die Stadt Quedlinburg sogar einen Sicherheitsdienst engagierte. Die Kosten von 16.000 Euro habe man vergeblich vom Land zurückgefordert, sagte Quedlinburgs Oberbürgermeister Frank Ruch (CDU). Der Fall hatte damals hohe Wellen geschlagen, weil Justizsstaatssekretär Hubert Böning (CDU) bei einer Richterin des Landgerichtes mit Hinweis auf die besondere Brisanz auf die Vorverlegung der Verhandlung drängte. Die Richter sahen sich in ihrer Unabhängigkeit beschnitten und erstatteten eine Dienstaufsichtsbeschwerde. Das Ministerium sah nach Prüfung dieser, aber kein Fehlverhalten.