Halle (dpa/sa) l Sie helfen alten Menschen beim Ein- und Aussteigen, verteilen Essen an Bedürftige und geben Tipps am Ticketautomaten: Die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Bahnhofsmissionen in Sachsen-Anhalt betreuen Reisende an den Gleisen – aber auch Menschen, deren Leben aus den Fugen geraten ist.

Einige Anlaufstellen würden mit ihrer Arbeit kaum hinterher kommen, ergab eine Umfrage bei den Bahnhofsmissionen im Land. Sie suchen händeringend nach Ehrenamtlichen – besonders mit Blick auf die kühler werdenden Tage.

In der ökumenischen Bahnhofsmission in Halberstadt arbeiteten derzeit elf Menschen. "So einen Tiefstand hatten wir noch nie", sagte Constantin Schnee. Er leitet die Anlaufstelle, die an sieben Tagen die Woche für Reisende, Hilfebedürftige und Obdachlose geöffnet ist. Vor einigen Jahren gab es noch deutlich mehr Helfer, wie er erklärte.

Sie kümmerten sich damals vor allem um die Flüchtlinge, die ab 2015 in die nahe gelegene Erstaufnahmestelle nach Halberstadt kamen. "Viele der damals aktiven Helfer engagieren sich heute in der Flüchtlingshilfe und fehlen uns", sagte Schnee. Nach seinen Angaben bräuchte die Bahnhofsmission mindestens 20 Ehrenamtler.

Mehr Arbeit als Freiwillige

Auch in Halle gibt es mehr Arbeit als Freiwillige. "Die Aufgaben sind nicht für jeden was", sagte eine Sprecherin der Bahnhofsmission in der Händelstadt. Es brauche flexible Mitarbeiter. Denn die Aufgaben der Helfer seien vielfältig.

So müssten sie bei der Essensausgabe in den Räumen der Anlaufstelle mit anpacken, ein offenes Ohr für die Belange von Obdachlosen haben – zugleich aber auch am Bahnsteig Menschen beim Umsteigen helfen oder Reisenden helfen, wenn diese etwa ihr Handy verloren haben.

Jeder der 16 Ehrenamtler habe sein "Herzensthema". Neue Mitarbeiter würden bei Probediensten an die umfangreichen Arbeiten sukzessiv herangeführt.

"Die Menschen kommen mit all ihren Fragen zu uns, weil wir für alles ein offenes Ohr und immer gute Laune haben", sagte der Leiter der Bahnhofsmission in Magdeburg, Florian Sosnowski. Von einer warmen Dusche bis hin zur Jobsuche – die Mitarbeiter der Bahnhofsmission würden helfen, wo sie nur könnten.

Um die Arbeit bekannter zu machen und auch um für neue Ehrenamtliche zu werben, gebe es regelmäßig Aktionen in Magdeburg. Derzeit gebe es genug Freiwillige. Doch in den Wintermonaten könne der Bedarf nach helfenden Händen wieder steigen, so Sosnowski.

Täglich 40 bis 50 Menschen kommen in die Räume der Bahnhofsmission in Dessau-Roßlau zum Essen oder für eine Beratung, wie Leiterin Benita Lanfermann schilderte. Zusätzlich müssten die Ehrenamtler an den Gleisen Reisenden beim Ein- und Aussteigen helfen. Momentan könnten die vier Freiwilligen die Aufgaben bewältigen. Aber sobald ein Helfer wegfalle, werde es schwierig.

Deutschlandweit hat die Bahnhofsmission nach eigenen Angaben mehr als 100 Einrichtungen. Davon befinden sich sechs in Sachsen-Anhalt. Die Anlaufstellen werden je nach Standort von kommunalen Zuwendungen, Spenden und Verbänden wie etwa der Caritas getragen. Sie bieten kostenlos und sofort Hilfe für alle Menschen.