Magdeburg l Fast jedem vierten Altmärker stehen pro Monat weniger als 999 Euro netto zur Verfügung. Das geht aus aktuellen Zahlen der Statistischen Ämter von Bund und Ländern hervor. Damit gelten die Einwohner des Landstrichs zwischen Arendsee und Heide im Bundesvergleich per Definition besonders häufig als von Armut bedroht.

Betriebe zahlen schlecht

Deutschlandweit landet die Region beim Armutsrisiko auf dem dritten Platz. Nur im Raum Bremerhaven (28,4 Prozent) und Emscher-Lippe in Nordrhein-Westfalen (24,6 Prozent) liegt die Quote höher. Als armutsgefährdet gilt, wer monatlich weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung hat. Im Bundesvergleich liegt die Risiko-Grenze bei 999 Euro, blickt man nur auf die Einkommen im Land, bei 871 Euro.

Auch Sachsen-Anhalt insgesamt schneidet im Bundesvergleich eher schlecht ab. Für ihre Untersuchung haben die Statistiker das Land in vier Großregionen eingeteilt: Im Raum Halle gelten 22,7 Prozent der Einwohner als armutsgefährdet, in Anhalt-Bitterfeld-Wittenberg sind es 22 Prozent. Am besten schneidet mit 18,7 Prozent noch die Großregion Magdeburg ab. In der Altmark ist die Quote seit 2008 (18,4 Prozent) zudem angestiegen, in den anderen Regionen leicht gesunken. Zum Vergleich: Mit einem Anteil von nur 8,5 Prozent hat München bundesweit den geringsten Anteil Armutsgefährdeter.

Die Ergebnisse reihen sich ein in Befunde einer Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Demnach lebt gut jeder Zwanzigste (5,4 Prozent) dauerhaft unterhalb der Armutsgrenze von 60 Prozent des mittleren Einkommens. Knapp 62 Prozent der Armen kommen aus den neuen Ländern – obwohl hier nur ein Fünftel der Bevölkerung lebt.

Aus Sicht des Sozialministeriums sind die Daten Beleg für die immer noch vorhandene Lohnschere zwischen Ost und West. Der Arbeitsmarkt in Sachsen-Anhalt entwickele sich zwar positiv, die Mitarbeiter seien qualifiziert. Dennoch werden „in mehr als der Hälfte der Betriebe weniger als 2000 Euro brutto im Monat gezahlt", sagte Sprecher Andreas Pinkert. Das Land mache Firmen daher immer wieder darauf aufmerksam, wie wichtig Tariflöhne seien.

Linken-Landeschef Andreas Höppner sieht zumindest für die Altmark auch strukturelle Probleme. Die Region habe zuletzt Betriebe verloren, etwa den Backwarenhersteller Fricopan/Aryzta. Da sei es wichtig, dass verbliebene Firmen angemessen zahlen, um Abwanderung nicht weiter zu befeuern und offene Stellen besetzen zu können.

Städte- und Gemeindebund-Präsident Lutz Trümper (SPD)warnte vor einer Überinterpretation der Zahlen. „Dass der Osten mit einem Lohnniveau von 70 bis 75 Prozent des Westens in der Statistik zum Armutsrisiko hinten landet, ist nicht überraschend", sagte er. Das Armutsrisiko sei zudem eine relative Größe: „Selbst wenn alle das Doppelte verdienen würden, würden laut Definition genauso viele Leute als armutsgefährdet gelten wie jetzt."

Der Kommentar "Bedenklicher Trend" zum Thema.