Halle (dpa) l Die Zahl der in Kinderheimen und anderen Fürsorgeeinrichtungen untergekommenen Heranwachsenden ist in Sachsen-Anhalt stark gestiegen. 2016 waren mehr als 2800 Plätze belegt, wie eine Sprecherin des Landesverwaltungsamts sagte. 2013 waren es nur knapp 2150. Neben Kinder- und Jugendheimen gehören auch heilpädagogische Einrichtungen und Kinderdörfer dazu. Die Jungen und Mädchen werden dort umsorgt, falls die eigenen Eltern das nicht mehr leisten können. Insgesamt stehen 322 Heime im Land zur Verfügung. Daneben werden auch andere Wohnformen wie Tageswohngruppen und integrative Einrichtungen angeboten.

Für die gestiegenen Zahlen gibt es nach Angaben der Deutschen Kinderhilfe unterschiedliche Gründe. "Die Jugendämter sind zum einen vorsichtiger geworden", erklärte der Vorstandsvorsitzende Rainer Becker in Berlin. Sie würden ein Kind lieber zu früh als zu spät aus einem problematischen Familienumfeld herausnehmen, um kein Risiko einzugehen. In der Regel müssten die Betroffenen aber nicht direkt in ein Heim.

"Meist kommen sie in eine vorläufige Inobhutnahme", erklärte Becker. Erst wenn sich herauskristallisiere, dass die Kinder nicht wieder zurück zu ihren Familien könnten, kämen sie zu Pflegeeltern oder Wohngruppen.

"Aber manchmal passt auch das nicht", sagte der Experte. Gerade ältere Jugendliche mit einer schwierigen Biografie hätten es schwer. Sie wechselten oft mehrere Einrichtungen. "Auch Flüchtlingskinder sind darunter", so Becker.

Bei ihnen bestehe zudem die Besonderheit, dass sie manchmal in mehreren Fürsorgeeinrichtungen gleichzeitig registriert worden seien, sagte Becker. Auch dadurch seien die Zahlen womöglich zusätzlich gestiegen.