Wefensleben l Als Collin G. (37) am 3. September den Rettungsdienst rief, war es für seinen Sohn bereits zu spät. Der kleine 14 Monate alte Oskar lag da bereits ohne Lebenszeichen am Fußboden der Plattenbau-Wohnung, nur auf einer Decke. Der Notarzt kreuzte später „ungeklärte Ursache“ auf dem Totenschein an. Schon damals fiel auf, dass die Mutter und die anderen Kinder spurlos verschwunden sind. Der Vater selbst soll sich nach Volksstimme-Informationen sehr unkooperativ gezeigt haben. Vermutlich, weil er mit seiner Frau der sogenannten Selbstverwalter-Szene angehört. Diese lehnt unter anderem alle staatlichen Institutionen ab. Der Junge war wohl auch deshalb nie offiziell gemeldet. Bei ihm handelte es sich, wie angeblich bei den anderen Kindern auch, um eine Hausgeburt.

Die Staatsanwaltschaft ordnete Anfang September eine Obduktion an, wobei laut Oberstaatsanwalt Frank Baumgarten eine schwere Krankheit als Todesursache festgestellt wurde. Die Rechtsmediziner waren aber davon überzeugt, dass bei rechtzeitiger Hilfe das Kind hätte gerettet werden können. Aufgrund dieser Erkenntnisse erließ das Amtsgericht Haftbefehl gegen den 37-jährigen Kindesvater wegen Totschlags durch Unterlassen, der am 30. September vollstreckt wurde. Im Fall einer Verurteilung droht eine Haftstrafe zwischen 5 und 15 Jahren.

Weil die Mutter und die Kinder durch alle anderen Möglichkeiten nicht mehr ausfindig gemacht werden konnten, ging die Polizei gestern mit einer richterlich verfügten Öffentlichkeitsfahndung an die Medien. Auch gegen die 43-Jährige läuft seit 30. September ein Haftbefehl.

Sammlung von Verschwörungstheorien

Die Familie soll nach Aussagen der Anwohner immer wieder zeitweise im Wald gelebt und sich von Beeren und Kräutern ernährt haben. Collin G. stellte offenbar einige Zeit vor seiner Festnahme ein Video ins Internet, in dem er einen grünen Reisepass um den Hals trägt und sagt: „Ich kündige hiermit an, dass ich für die Rolle des Jesus Christus vorsprechen werde.“ Es folgt ein Sammelsurium von abstrusen Verschwörungstheorien.

Zu welchem Zeitpunkt das Jugendamt von dem Fall erfahren hat, ist bisher noch unklar. Der Sprecher des Landkreises Börde, Uwe Baumgart, wollte dazu gestern keine Angaben machen.

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