Magdeburg (dpa) l Lehrlinge sollen bei ihrem Fahrtkosten zur Berufsschule nach dem Willen der Landesregierung künftig stärker finanziell unterstützt werden. Doch wie die Hilfe des Landes konkret aussehen soll, ist noch vage. Es sei geplant, nächstes Jahr drei Millionen Euro an Zuschüssen auszuzahlen, sagte Regierungssprecher Matthias Schuppe am Dienstag. Bisher reicht das Land nur 120.000 Euro aus – an besonders finanzschwache Azubis. Unter welchen Bedingungen wie viel Geld fließen soll und wer tatsächlich profitiert, ist offen. Zudem pochen SPD-Fraktion und Vertreter der Wirtschaft weiterhin auf die Einführung eines landesweiten Azubi-Tickets.

Bei den Zuschüssen hängt alles an der Frage, wie viel Geld es tatsächlich geben wird. Es seien drei Millionen Euro in den Haushalt eingestellt, sagte Schuppe. Das ist die 25-fache der jetzigen Summe. Doch ob diese Aufstockung unverändert die Haushaltsabstimmung im Parlament Ende des Jahres passiert, kann niemand vorhersagen. Von der Summe hängt ab, welches Unterstützungs-Modell umsetzbar ist.

Denkbar sei etwa, eine Fahrtkostenpauschale zu zahlen, sagte ein Sprecher des Bildungsministeriums. "Doch aus den aktuellen Mitteln sind die Wünsche nicht zu finanzieren", sagte er mit Verweis auf die verfügbaren 120.000 Euro. Unklar ist, wie viele der knapp 49.000 Berufsschüler letztlich wirklich profitieren könnten. Klarheit könne es erst geben, wenn der Haushalt beschlossen sei.

Bisher gibt es nur Hilfe, wenn Berufsschüler mehr als 50 Kilometer Fahrtweg haben und dabei eine Landkreisgrenze passieren – und wenn sie nicht mehr als 600 Euro im Monat verdienen. Künftig sollen alle Azubis ihre Fahrtkosten geltend machen können – unabhängig davon, ob sie Bus und Bahn oder Auto nutzen. "Wir müssen diese gute Lösung jetzt zügig umsetzen", erklärte Verkehrsminister Thomas Webel (CDU).

Forderung nach Erhöhung

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) fordert seit Längerem eine deutliche Erhöhung der Fahrtkostenzuschüsse – und eine Erweiterung auf mehr Berufsschüler. "Dass es erhöht wird, begrüßen wir", sagte DGB-Landeschefin Susanne Wiedemeyer und schloss sofort an: "Entscheidend wird sein, wie die Grenzen bei den Einkommen angepasst werden, bis zu denen die Unterstützung fließt."

Zudem gebe es ein weiteres Problem, so Wiedemeyer: Eine Ausbildung werde nicht nur deshalb attraktiver, weil es einen finanziellen Ausgleich bei den Fahrtkosten gebe. "Es gibt Bäckerlehrlinge, die von Wittenberg in die Berufsschule nach Stendal müssen, versuchen Sie mal, da acht Uhr morgens zu sein." Die Wege zum Unterricht müssten verkürzt werden. Die geplante weitere Zentralisierung mit Fach- statt Mischklassen wirke dabei kontraproduktiv.

Die Debatte um finanzielle Unterstützung für Wege zur Berufsschule kocht immer wieder hoch, jetzt wurde sie durch eine Machbarkeits-Einschätzung zum Azubi-Ticket befeuert. Zahlreiche Vertreter aus der Wirtschaft, aber auch aus der Politik fordern ein solches bezuschusstes Ticket. Doch das Verkehrsministerium und die Nahverkehrsgesellschaft Nasa bremsten die Erwartungen.

Ein landesweit gültiges Ticket bedeute einen sehr hohen finanziellen Aufwand, erklärte Verkehrsminister Webel. Um welche Summen es konkret geht, lässt sich nach Angaben von Nasa-Chef Rüdiger Malter noch nicht abschätzen. Allein die Vorbereitung könnte Millionen verschlingen und fünf Jahre dauern. Er verwies aber auch auf einen weiteren Aspekt: "Eine Pauschale ist viel treffsicherer als ein Tarifticket", sagte Malter. Jeder Azubi bekomme die Kosten erstattet, die er habe – auch wenn er aus Regionen zur Berufsschule müsse, in denen kein Bus fahre.

Dafür sei ein Azubi-Ticket eine einkommensunabhängige Lösung, erwiderte DGB-Landeschefin Wiedemeyer: "Wenn ich kein Geld habe, muss ich mir eine Mitfahrgelegenheit suchen – wenn da der Fahrer krank ist, ist die ganze Fahrgemeinschaft mit krank", sagte sie. Ein Azubi-Ticket sei zwar aufwendig. "Aber wenn man etwas will, dann kann man das schaffen. Andere Bundesländer haben es ja vorgemacht."