Magdeburg l Als die 32-jährige Bettina Lischke Anfang April zum Fahrradständer vor ihrer Haustür in Magdeburg kam, stieg in ihr der Ärger auf. Das Rad war weg. Zeugen hatten damals noch zwei Männer damit flüchten sehen. Auch wenn der 2008 gekaufte Drahtesel nicht versichert war, erstattete sie Anzeige bei der Polizei. Die Täter wurden nicht gefunden. Die Staatsanwaltschaft teilte ihr am 26. Juli mit, dass die Ermittlungen eingestellt sind.

Fälle könnten zunehmen

Doch in dieser Woche folgte die Überraschung. Ein Kriminalist vom Magdeburger Revier rief sie an: Ihr Fahrrad ist wieder da, sagte er. Was dann folgte, freute sie wenig. Sie müsste das Rad an der polnisch-ukrainischen Grenze abholen. Es sei dort sicher verwahrt. „Ich dachte, das ist ein Scherz“, sagt sie.

Für die Magdeburgerin ist es gefunden und dennoch verloren, denn das Rad hat nur noch einen Zeitwert von rund 50 Euro. Die Abholung würde aber mindestens eine 26-stündige Fahrt hin und zurück mit der Bahn bedeuten. Die Fahrkarte für die insgesamt 2000 Kilometer lange Strecke dürfte 200 Euro kosten. Doch so einfach will sie es dennoch nicht aufgeben und zur Verwertung freigeben.

Polizeisprecher Marc Becher bestätigte das Vorgehen der Behörde: „Eigentum verpflichtet. Wir können da nur mit Tipps helfen.“

Seine polnischen Kollegen hatten am 14. April dieses Jahres einen Transporter mit fünf Fahrrädern gestellt. Die Rumänen sagten aus, dass sie diese in Magdeburg gekauft hätten. Die Fahndung ergab: Eines wurde in Magdeburg, eins in Karlsruhe und eins in Duisburg gestohlen. Bei zwei Rädern blieb die Herkunft unklar. Im Rahmen der Rechtshilfe kam die Information über das Bundeskriminalamt (BKA), das Landeskriminalamt (LKA) nach sechs Monaten auch in Magdeburg an. Rückholfälle aus dem Ausland seien zwar selten, könnten zunehmen. „Die Zusammenarbeit zwischen den Ländern wird besser“, erklärt Becher. Solche „Rückführungen“ kommen bei Pkw schon häufiger vor. Allein für Magdeburg sind es 30 bis 50 im Jahr. Meist würde sich darum aber die Versicherung kümmern.

Hans-Jörg Kurth von den Öffentlichen Versicherungen Sachsen-Anhalt (ÖSA): „Bei Autodiebstählen regulieren wir nach vier Wochen den Schaden. Dann geht es in unseren Besitz über. Im Normalfall haben die Kunden dann aber schon ein neues Auto und kein Interesse mehr an dem alten Wagen. Wir verwerten es dann.“ Bei Fahrrädern sei es ähnlich, aber noch seltener. Vor allem für teure Autos hätten sich sogar schon international agierende Firmen auf Rückführungen spezialisiert.

Bettina Lischke hat inzwischen einen Fernfahrer über Facebook gefunden, der ihr das Rad aus Polen mitbringen will. Die Sache hat nur einen Haken: Sie muss den Eigentumsnachweis für die Behörden noch ins Polnische übersetzen lassen.