Helbra (dpa) l Im Kreis Mansfeld-Südharz ist die Ortsfeuerwehr Helbra nach einer Austrittswelle dienstunfähig und soll jetzt schnellstmöglich wieder einsatzbereit gemacht werden. Es gebe gesicherte Erkenntnisse, dass es zu massiven Zerwürfnissen gekommen sei, teilte die zuständige Verbandsgemeinde Mansfelder Grund-Helbra mit. Zudem liefen Ermittlungen, weil es bei der Jugendarbeit der Wehr zu sexueller Belästigung gekommen sei. Die Staatsanwaltschaft habe Anklage gegen einen Verdächtigen erhoben, sagte ein Behördensprecher am Dienstag in Halle. Zuvor hatten mehrere Medien über die dienstunfähige Wehr berichtet.

Die Leitung soll die Vorwürfe nach Gemeindeangaben zunächst vertuscht haben. Zu der sexuellen Belästigung bei der Jugendfeuerwehr soll es bereits im Sommer und Herbst 2017 gekommen sein, die Verwaltung erfuhr erst Ende November davon. Der Ortswehrleiter ist inzwischen zurückgetreten, sein Stellvertreter lässt sein Amt ruhen.

Am Freitag traten mit 15 Ehrenamtlichen mehr als die Hälfte der zerstrittenen Mannschaft aus. Jetzt soll die Einheit nach Gemeindeangaben so schnell wie möglich wieder einsatzbereit gemacht werden. Infoabende seien geplant. Es gebe bereits mehrere Kandidaten, die ihre Bereitschaft zur Mitarbeit signalisiert hätten. In der Zwischenzeit müssten Kräfte aus den Nachbarorten ausrücken, falls in Helbra etwas passiere.

Aufruf zu mehr Engagement

Der Feuerwehrverband nahm den Fall zum Anlass, um die Gemeinden im Land zu mehr Engagement in den Wehren aufzufordern. Vergleichsfälle, dass eine Austrittswelle zu einer Abmeldung einer Wehr führe, gebe es in Sachsen-Anhalt zwar kaum, sagte Verbandschef Kai-Uwe Lohse am Dienstag. "Doch die Feuerwehr wird weniger durch politische Entscheidungen und Finanznot abgeschafft als durch interne Querelen." Für Außenstehende seien die Konflikte oft kaum zu durchschauen.

Deshalb sei es hilfreich, wenn sich Vertreter der Gemeinde regelmäßig bei den Rettern sehen ließen, um auch Streitigkeiten zu schlichten und ein offenes Ohr zu haben. Differenzen seien in allen Vereinen normal. "Aber wenn sich die Kaninchenzüchter nicht mehr treffen, ist das zwar bedauerlich, aber hat keine Folgen für die akute Gefahrenabwehr."

Die freiwilligen Feuerwehren leisteten gut 90 bis 95 Prozent aller Arbeit im Land, sagte Lohse. Nur Magdeburg, Halle und Dessau-Roßlau verfügten über echte Berufsfeuerwehren. Streitigkeiten und Austritte nutzten da wenig. "Da geht Know-How und gut ausgebildetes Personal verloren", sagte Lohse. Dabei seien die ehrenamtlichen Retter schon jetzt vielerorts in schwierigen Situationen. Jedes Jahr verlieren die Wehren rund 1000 Mitglieder. Die Belastungsgrenze sei bei bis zu 300 Einsätzen jährlich vielerorts erreicht.