Halle l Wenn Sachsen-Anhalter ins Kino gehen oder Serien schauen, kann es gut sein, dass sie ihr Heimat-Bundesland auf der großen oder kleinen Leinwand wiedererkennen. Das muss nicht nur für jüngere deutsche Produktionen wie „Tschick“ oder „Axel der Held“ gelten. Auch US-Filme wie „3 Engel für Charlie“ oder „Monuments Men“ wurden zu Teilen in Mitteldeutschland gedreht.

In diesem Jahr sind wieder einige Drehs zwischen Arendsee und Zeitz geplant. Andere wurden dagegen schon abgeschlossen und erscheinen in den nächsten Monaten. Die Volksstimme hat eine Übersicht für die nächsten Monate erstellt.

Til Schweiger feiert in der Altmark Hochzeit

● Schloss Krumke: Schon in wenigen Tagen, am 23. Januar, starten gleich zwei Filme, die zum Teil in Sachsen-Anhalt entstanden. In einem sind sogar Teile der Altmark zu sehen. Das Filmteam der Til-Schweiger-Komödie „Die Hochzeit“ war im vergangenen Mai anderthalb Wochen lang in und um Schloss Krumke bei Osterburg unterwegs, das als Requisite für Teile des Films diente – damals noch unter dem Arbeitstitel „Klassentreffen 2.0“.

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„Die Hochzeit“ ist die Fortsetzung zu „Klassentreffen 1.0 – Die Reise der Silberrücken“, der 2018 über eine Million Zuschauer in die Kinos lockte. Die Figuren aus dem ersten Teil, Thomas (Til Schweiger) und Linda (Stefanie Stappenbeck), planen nun, sich das Ja-Wort zu geben – was mit einigen Hindernissen verbunden ist. Wie beim Vorgänger war Schweiger auch hier als Darsteller, Regisseur und Co-Autor des Drehbuchs beteiligt.

Noch am selben Tag startet „Das Vorspiel“ von Regisseurin Ina Weisse, das wie viele Projekte in oder bei Halle gefilmt wurde – in diesem Fall in einem halleschen Fachwerkhaus. Das Drama handelt von einer Geigenlehrerin (Nina Hoss), die einen vielversprechenden Schüler unter ihre Fittiche nimmt und durch deren Einsatz nach und nach ihr Leben aus den Fugen gerät.

Wie bei Magdeburg ein Schlachtfeld entstand

● Truppenübungsplatz Altengrabow: Einige Kilometer weiter südöstlich, nicht weit entfernt von Magdeburg, wurden alte russische Kasernen in ein syrisches Kriegsgebiet verwandelt. Für das Drama „Nur ein Augenblick“ und seine Kriegsszenen „mit und ohne Action“ – so Produzent Johannes Jancke – diente ein ehemaliger Truppenübungsplatz bei Altengrabow.

Der Film, der voraussichtlich Ende Mai erscheint, handelt vom syrischen Studenten Karim (Mehdi Meskar). Karim lebt mit seiner schwangeren Freundin Lilly (Emily Cox) in Hamburg, als sein Bruder Jassir jedoch in ein syrisches Foltergefängnis verschleppt wird, beschließt er, ihn zu retten. So wird er in den seit Jahren tobenden Konflikt mit hineingezogen.

Eben dieses Foltergefängnis und eine Militärbasis werden vom Gelände bei Altengrabow vertreten – nach Empfehlung der Bundeswehr. Viel war laut Jancke nicht mehr zu tun, um die Szenerie wie den Nahen Osten aussehen zu lassen: „Was die Ausstattung anging, mussten wir eigentlich nur noch dekorieren.“ Etwas neue Farbe, ein paar passende Möbel, arabische Schriftzeichen und fertig war ein filmreifes Schlachtfeld.

● 80er-Jahre-Fassaden in Weißenfels und Halle: Die Regisseurin hinter „Nur ein Augenblick“, Randa Chahoud, arbeitet auch an einer Serie, die in diesem Jahr startet. „Deutschland 89“ ist die Fortsetzung der Erfolgsserien „Deutschland 83“ und „Deutschland 86“ und begleitet DDR-Spion Martin Rauch diesmal durch die Zeit nach dem Mauerfall. Zwei der vier Drehorte liegen an der Saale: In Halle und Weißenfels fanden sich Fassaden, die noch aussehen wie vor 30 Jahren – entsprechende Fahrzeuge brachte das Filmteam mit.

Der dritte und letzte Teil der Geschichte um Martin Rauch erscheint wie seine Vorgänger bei Amazon Prime, einen Termin dafür gibt es allerdings noch nicht.

● DDR-Kulisse in Aschersleben und Halle: Während „Deutschland 89“ eine eher fiktionalisierte Version der Nach-DDR-Geschichte zeigt, geht es in „Uferfrauen“ von Barbara Wallbraun um die Zeit vor dem Mauerfall, eingefangen in einer Dokumentation. Speziell geht es um die Geschichte sechs lesbischer Frauen, die durch ihre Orientierung mit dem DDR-Regime in Konflikt gerieten. Eine der Protagonistinnen wurde in Halle gefilmt, zwei von ihnen als Paar im nahe gelegenen Aschersleben. Der Doku-Film startet am 2.  April in den deutschen Kinos.

„Der Geburtstag“, ein in Schwarz-Weiß gefilmtes Familien-Drama des uruguayischen Regisseurs Carlos A. Morelli, wurde komplett in Halle gedreht – unter anderem im Neuen Theater und im Bergzoo, in dem die Schlussszene spielt. Außerdem hat der Film dank Hallenser Kameramann Friede Clausz eine zweite Verbindung zur Stadt. Starttermin hier ist der 28. Mai.

Das Känguru stiftete auch hier Unruhe

● Vielseitige Saalestadt: Das eindeutige filmische Zentrum Sachsen-Anhalts liegt im Süden: Die meisten der Produktionen, die sich hierher verirrten, wurden in Halle oder einem seiner umliegenden Orte gedreht oder verlegten einen Teil ihrer Postproduktion dorthin. Zu letzterer Kategorie gehören unter anderem Filme wie die Hermann-Hesse-Verfilmung „Narziss und Goldmund“ (Start: 12. März), die Mode-Fotografie-Doku „Helmut Newton: The Bad and the Beautiful“ (5. März) oder die in Katar und der Türkei mitentstandene Komödie „Vom Gießen des Zitronenbaums“ (16. Januar).

● Thalheimer „Sun Park“: Im Falle von „Die Känguru-Chroniken“ trifft beides zu. Die Verfilmung von Marc-Uwe Klings gleichnamigen Buch wurde unter anderem im Thalheimer „Sun Park“ östlich von Halle gedreht. In der Komödie zieht bei Klings Alter Ego plötzlich ein (nach eigener Aussage kommunistisches) Känguru ein, das ihm fortan keinen Frieden mehr lässt. Auch bis zu diesem Film-Release dauert es nicht mehr allzu lange, „Die Känguru-Chroniken“ läuft hierzulande am 5. März an.

Die Suche nach kleinen Hauswundern

● (Noch) unbekannte Drehorte: „Haben sie ein Wunder zu Hause?“ Diese Frage steht im Zentrum einer Tradition, die in diesem Jahr zum siebten Mal stattfindet und nun erstmal in einer Serie eingefangen wird. „Dinge, die da kommen“ von Regisseur Peter Bräunig und seiner Produktionsfirma „Blende 39“ begleitet den Künstler Marc Haselbach bei seiner Suche nach „Alltagswundern“. Der Bildhauer zieht durch verschiedene Städte und lässt sich von ihren Einwohnern Gegenstände bringen, die für sie eine besondere Bedeutung haben.

Die Doku-Serie über Haselbachs „Wunderkammer“ besteht aus sechs Folgen mit jeweils etwa fünf Minuten und wird im September oder Oktober online veröffentlicht.

Eines der Filmteams ist dieses Jahr schon zum zweiten Mal zu Besuch. „Immenhof - Das Abenteuer eines Sommers“ – eine Neuauflage der namensgebenden Heimatfilmreihe – entstand unter anderem in der Colbitz-Letzlinger Heide und auf einer gesperrten Brücke bei Tangermünde. Diesen Sommer kehren Darsteller und Crew zurück hierher, um auch einen Großteil der Fortsetzung in Sachsen-Anhalt zu drehen.

Echte und fiktive Städte, handgezeichnet

● Animations-Projekte in Halle: Für die Vorhaben, die erst in diesem Jahr starten, bleiben wir zunächst in Halle. Hier entsteht die Nachbildung einer anderen Stadt zu einer anderen Zeit. Das Animationsstudio „MotionWorks“ in Halle setzt Ute Krauses Kinderbuch „Im Labyrinth der Lügen“ als zehnteilige Animationsserie um. Der Thriller dreht sich um den zwölfjährigen Paul, dessen Eltern nach einem missglückten Fluchtversuch aus der DDR von Westdeutschland freigekauft und dorthin abgeschoben wurden.

Paul blieb unterdessen in Ost-Berlin zurück, ihm bleibt noch seine Oma und sein Onkel. Als er den Onkel im Pergamonmuseum besucht, fallen ihm ungewöhnliche Geräusche im obersten Stockwerk auf, und Pauls Neugier führt ihn auf die Fährte eines großen Geheimnisses.

„Es gab noch keine Animationsserie, die sich mit der DDR beschäftigte“, erklärte MotionWorks-Geschäftsleiterin Grit Wißkirchen, warum das Studio die Thematik aufgreifen wollte. Auch die Verbindung einiger Mitarbeiter mit der Zeit gab einen Anlass: „Unser Regisseur Thorsten Drössler war zu der Zeit, zu der es spielt, selbst in Pauls Alter.“ Drössler führt zusammen mit dem Luxemburger Nicholas Debray Regie bei der Serie, die die ostdeutschen 80er Jahre authentisch einfangen soll. Die Erstausstrahlung ist für das erste Quartal 2022 geplant.

MotionWorks ist noch an einem anderen ambitionierten Projekt beteiligt: Ein komplett dialogloser Tanzfilm mit animierten Hintergründen. „Coppelia“ erzählt via Ballett von einer Stadt, in der der Schönheitschirurg Doktor Coppelius eine perfekte Roboter-Frau schaffen will. Dazu muss er jedoch Herz und Liebe eines Mannes stehlen. Die Mischung aus Real- und Animationsfilm, die unter Beteiligung von Studios und Ballettstars verschiedener Länder entstand, erscheint voraussichtlich 2021.