Magdeburg l Nicht nur im Blumengeschäft „Rosenrot“ in Barleben (Landkreis Börde) zücken die Kunden seit Beginn der Corona-Krise vermehrt die Karte. „Kartenzahlung hat seit Corona stark zugenommen. Etwa jeder Zweite zahlt bei uns nur noch bar“, sagt Geschäftsführerin Melanie Hirschfelder-Markewitz.

Das bargeldlose Bezahlen an der Kasse oder im Restaurant – seit Beginn der Corona-Krise wird es immer bedeutender. Anfang Juli beglich laut einer Allensbach-Studie knapp die Hälfte der Verbraucher beim Einkaufen ihre Rechnung mit der Karte. Am liebsten greifen die 30- bis 44-Jährigen zum Plastikgeld. Lediglich Senioren ab 60 Jahren zahlen vorwiegend bar.

Es sei praktisch, nicht mehr so häufig Bargeld abheben zu müssen, sagen zwei Drittel der deutschen Verbraucher in einer Umfrage für den „Mobile Payment Monitor 2020“. Eine große Rolle spielt Corona: 55 Prozent der Befragten finden es vorteilhaft, dass sie beim kontaktlosen Bezahlen weder mit dem Kassenterminal noch mit Bargeld in Kontakt kommen.

Der Corona-Effekt – er ist auch bei den Sparkassen in Sachsen-Anhalt spürbar: Der Anteil der kontaktlosen Girocard-Transaktionen stieg von Januar bis Juni von 55 auf 63 Prozent. „Die Kunden verzichten vermehrt auf Barzahlungen“, heißt es vom Ostdeutschen Sparkassenverband (OSV).

Auch mobiles Zahlen wird immer beliebter

Auch bei den Kunden der Commerzbank verändert sich das Zahlungsverhalten. In einer von der Bank in Auftrag gegebenen Umfrage gaben 34 Prozent der Befragten an, häufiger zu Girocard oder Kreditkarte zu greifen als vor der Krise.

23 Prozent bezahlten außerdem vermehrt kontaktlos, indem Karte oder Smartphone vor das Lesegerät gehalten werden. Das bargeldlose Bezahlen sei für Kunden „bequem und hygienisch“, sagt Thomas Luda, Leiter der Commerzbank-Niederlassung Sachsen-Anhalt Nord.

Vermehrt arbeiten Banken daran, auch das mobile Bezahlen auszuweiten. Bei der Commerzbank etwa wird das Bezahlen via Google Pay und Apple Pay und per Smartwatch immer stärker nachgefragt. Die Bank baut diese Zahlart deshalb aus. Die Ergebnisse des „Mobile Payment Monitor 2020“ illustrieren die Nachfrage: Innerhalb eines Jahres kletterte die Zahl der Kunden, die per Smartphone zahlen, von 6 auf 12 Prozent. Die Nase vorn haben die Jüngeren. Jeder Fünfte im Alter von 18 bis 35 Jahren begleicht seine Rechnungen auf diese Art.

Bargeld verliert an Wichtigkeit, Plastikgeld und Zahlung per Smartphone sind auf dem Vormarsch – bleibt das auch nach Corona so? In einer Studie des Beratungsunternehmens Pricewaterhouse Coopers (PwC) sagt die Mehrheit der deutschen Verbraucher, dass sie ihr verändertes Zahlverhalten auch nach der Krise beibehalten will.

Ist Bargeld ein Auslaufmodell?

Viele Ökonomen erwarten einen nachhaltigen Effekt. Dass sich der Trend auch wieder abschwächen könnte, hält Professor Horst Gischer von der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg für denkbar. Nicht alle Verbraucher seien glücklich darüber, dass etwa in Supermärkten die Barzahlung immer weiter in den Hintergrund rücke, sagt der Wirtschaftswissenschaftler. Gerade viele Ältere bevorzugten noch immer Bargeld. Zahlreiche Kunden hinterfragten zudem nicht, welche Entgelte von Anbietern bei Nutzung von EC- oder Kreditkarte aufgerufen werden. Dass das bargeldlose Zahlen auch ins Geld gehen kann, hat jüngst Stiftung Warentest festgestellt. Die Verbraucherorganisation hatte 294 Kontomodelle von 125 Kreditinstituten in Deutschland analysiert. Gefunden wurden 55 Modelle, bei denen für Bezahlvorgänge mit der EC-Karte Gebühren berechnet werden – teils bis zu 50 Cent.

Blumenhändlerin Melanie Hirschfelder-Markewitz erwartet dennoch, dass der Trend zur verstärkten Kartenzahlung nicht mehr umkehrbar ist. Bargeld ist für sie kein Auslaufmodell – aber auf die Vorzüge der Kartenzahlung wollten ihre Kunden längst nicht mehr verzichten.