Magdeburg l Das Land Sachsen-Anhalt hat in den zurückliegenden Jahren bei Erbschaften kräftig abgesahnt. Zwischen 2012 und Juli 2020 flossen insgesamt rund 12,9 Millionen Euro aus sogenannten Fiskalerbschaften in die Landeskasse. Das Geld kam aus knapp 4600 Nachlässen. Das geht aus der Antwort des Finanzministeriums auf eine kleine Anfrage des Landtagsabgeordneten Olaf Meister (Grüne) hervor.

Wenn ein Verstorbener keine Angehörigen hat, die sein Erbe übernehmen könnten, muss der Staat wohl oder übel „herrenlose“ Nachlässe übernehmen. Er wird somit zum Noterben oder Zwangserben. Gesetzlicher Erbe ist das Bundesland, in dem der Erblasser zuletzt seinen letzten Wohnsitz hatte. Verstirbt ein deutscher Staatsbürger im Ausland, ohne dass er über einen Wohnsitz in Deutschland verfügte, erbt der Bund.

Die unfreiwilligen Erbschaften können ihre Tücken haben. Die Bezirksregierung Düsseldorf erbte ein Bordell. Das Land Niedersachsen war plötzlich Besitzer eines stillgelegten Betonwerks – inklusive einer illegalen Müllkippe. Baden-Württemberg hatte auf einmal ein Sägewerk mit verseuchtem Boden an den Hacken.

Das Land Sachsen-Anhalt hat seit 2012 unter anderem 1168 Immobilien geerbt. Diese werden versteigert, wenn nach einer wiederholten Ausschreibung keine Angebote gemacht werden. Durch Versteigerungen kamen hierzulande 252.000 Euro zusammen. Bundesweit besitzt der Staat schätzungsweise um die 10.000 Häuser. Auch was sich aus den geerbten Immobilien verkaufen lässt (Schmuck, Münzen, Antiquitäten), wird durch Auktionshäuser versteigert.