Jütrichau/Berlin (dpa) l "Floristen schmeißen immer wieder alles um", sagt Andrea Knutas und lacht. "Wir machen Pläne, sehen was Neues und machen wieder neue Pläne." Das, so die 54-Jährige, sei der Kreativität und dem Ideenreichtum dieses Handwerksberufs geschuldet. "Florist bist du 24 Stunden. Der Baumarkt ist unser zweites Wohnzimmer. Wir sind im Grunde wie die Baumeister." Knutas sitzt auf dem idyllischen Hof der Blumenwerkstatt Neumann in Jütrichau bei Zerbst. Es ist wunderbar grün und unaufgeräumt – eine Wohlfühloase. Auf Paletten stehen kleine und große Topfpflanzen und aus den Gewächshäusern weht ein herrlicher Duft. In der Werkstatt in der kleinen  Backsteinscheune hat sie gerade noch einen Sommerstrauß gebunden.

Knutas ist im Vorjahr Landesmeisterin der Floristen geworden. Am kommenden Wochenende trifft sie in Berlin auf die Top-Floristen anderer Bundesländer. Das große Thema der Deutschen Meisterschaft der Floristen lautet "Be real". "Das musst du erstmal begreifen", sagt die zierliche Frau mit den langen dunklen Haaren. Nach Veranstalterangaben geht es darum, sich trotz aller virtuellen Möglichkeiten darauf zu besinnen, wie schön die analoge Welt mit ihren Formen, Farben und Düften sein kann.

"Du musst in dich gehen und dich fragen: Was wollen die von mir?", sagt Knutas, die Verkäuferin und Köchin gelernt und 1992 zur Floristin umgeschult hat. "Dann fängst du an zu zeichnen, Modelle zu bauen und – alles ein paar Mal umzuschmeißen. Aber irgendwann hast du es."

Vorbereitungen seit Mitte Juni

Seit Mitte Juni steckt sie gemeinsam mit Assistent Martin Neumann in den Vorbereitungen auf den zweitägigen Wettkampf. Der 28-Jährige war selbst schon Landesmeister und in Berlin dabei. "Wir sind einfach gleich im Kopf", sagt er über ihr Verhältnis. Beide haben den gleichen Arbeitgeber, Neumann betreibt als Nebengewerbe noch seine pittoreske Blumenwerkstatt, die aktuell Übungsort ist. "Früher hat sie mir assistiert, jetzt ist es umgekehrt."

Die gebürtige Dessauerin wird in diesem Jahr die älteste Teilnehmerin sein. Insgesamt nehmen zehn Männer und Frauen an dem Branchenwettbewerb teil, der zum 32. Mal veranstaltet wird. Fünf Aufgaben hat Knutas auf dem Zettel. Die Themen lassen sich für einen Laien zunächst kaum mit floraler Blumenkunst in Verbindung bringen.

Gleiche Ware für jeden

So muss beispielsweise eine Tischdekoration zu dem Motto "Eat together – offline chatten" präsentiert werden. Das gebundene Werkstück, besser unter Blumenstrauß bekannt, muss "Perfectly Imperfect", also perfekt unperfekt, sein, und die freie Kreativarbeit hat mit Hashtags zu tun. Drei der fünf Arbeiten müssen am ersten Tag das Licht der Welt erblicken, am Folgetag die anderen. Es müssen auch kurze Texte verfasst werden, die das jeweilige Stück beschreiben und erklären sollen.     

Für Knutas, die in Vockerode im Landkreis Wittenberg wohnt, ist die Überraschungsarbeit das A und O. "Alle bekommen die gleiche Ware und müssen daraus etwas machen", sagt sie. "Das ist der einzig wahre Wettkampf." Für alle Arbeiten gilt, dass sie immer vor Ort erstellt werden müssen. "Fertige Gestelle oder ähnliches kann man mitbringen", erklärt Neumann. Neben der Fachjury gibt es ein technisches Gremium, dass auf die Einhaltung aller Mindest- und Höchstmaße achtet. "Ohne Zollstock geht da nichts", sagt Neumann. "Und ohne Wasserwaage auch nicht."

Auch das Maßhalten mit den Materialien wird unter die Lupe genommen. "Man sollte eben nicht den halben Großmarkt für einen Strauß mitbringen", so Neumann, der als Assistent während des Wettkampfs außer Hör- und Rufweite sein muss. Punkten will Knutas mit außergewöhnlichen Formen und Farben – mehr verrät sie nicht. "Am 15. kaufen wir die Blumen ein. Dann kann's losgehen."