Magdeburg (dpa) l Im Prozess um den Tod einer Frau nach grausamer Folter in Bernburg hat ein Zeuge mit der Aussage verblüfft, Opfer und Angeklagte seien ein Paar gewesen. Der 54-jährige Polizist sagte am Dienstag vor dem Landgericht Magdeburg, die lesbische Beziehung sei "allgemein bekannt" gewesen. Das 39 Jahre alte Opfer und die 34 Jahre alte Angeklagte haben seinen Angaben zufolge auch zusammen gewohnt.

Der Polizist und sein Kollege, der ebenfalls als Zeuge gehört wurde, waren in der Nacht des 11. Juni 2018 als Erste in der Wohnung des mutmaßlichen Lebensgefährten der Angeklagten. Dort soll sie gemeinsam mit ihrem 16-jährigen Sohn sowie zwei 20 und 21 Jahre alten Männern die Frau zu Tode misshandelt haben.

"Ich war von den Umständen überrascht", sagte der Polizist, der Opfer und Angeklagte laut eigener Aussage von anderen Einsätzen kannte. Der Lebensgefährte habe im Schlafzimmer geschlafen – er soll an der Gewaltorgie nicht beteiligt gewesen sein. Die 34-Jährige wollte sich nicht zu ihrem Liebesleben äußern.

Das Quartett muss sich seit 7. Dezember 2018 wegen Mordes verantworten. Alle sollen zum Tatzeitpunkt extrem betrunken gewesen sein, die Gutachten zur Schuldfähigkeit stehen jedoch noch aus. Den 16-Jährigen hatten die Mitangeklagten als Haupttäter belastet. Auf seinem Mobiltelefon fanden Ermittler auch ein Video. Der anderthalbminütige Mitschnitt zeigt Folterszenen in einem Badezimmer.

Der Jugendliche schwieg bisher. Ihm wird zudem wegen einer anderen Tat gefährliche Körperverletzung und versuchter Totschlag vorgeworfen. Er soll kurz vor der tödlichen Gewaltorgie in einer anderen Bernburger Wohnung einen heute 63-jährigen Bekannten schwer misshandelt und verletzt haben.

Die Polizisten berichteten der Kammer von der Tatnacht, in der sie wegen einer "blutüberströmten und nicht atmenden Person" in die Wohnung gerufen worden seien. "Obwohl ich das Opfer kannte, habe ich sie nicht erkannt. Ich habe nicht mal erkannt, ob das ein Mann oder eine Frau war", sagte einer von ihnen. Ein als Zeuge gehörter Kriminalbeamter aus Magdeburg sagte mit Bezug auf die Angeklagte: "Ich kenne sie. Ich hatte mit ihr wegen zwei Sexualstraftaten zu tun, die sie vorgetäuscht hatte." Der Mann hatte an beiden Tatorten Spuren gesichert. "Da war viel Blut."

Laut Anklage hat das Quartett gemeinschaftlich und grundlos angefangen, die 39-Jährige massiv zu misshandeln. "Sie schlugen und traten gegen ihren Kopf, schlugen mit einem Fleischklopfer auf ihre Fingerkuppen, stachen mit einem Messer in Oberschenkel und Wade und rasierten ihr den Kopf", sagte Oberstaatsanwältin Martina Klein zum Prozessauftakt. Auch sollen sie ihren Kopf in die Toilette und in die wassergefüllte Badewanne gedrückt haben.

Der Prozess wird am 25. Januar fortgesetzt. Die Kammer legte weitere Verhandlungstermine zunächst bis Anfang März fest.