Ranies l Ein Schlafdefizit kann sich schnell auf die eigene Gesundheit niederschlagen. Das weiß nun auch Eric Wooßmann aus Ranies. Nicht nur der Computer des 27-Jährigen, sondern auch dessen Immunsystem mussten zuletzt einige Überstunden leisten. Der Student war nächtelang damit beschäftigt, die Kommentarspalte bei YouTube zu studieren. Das Resultat: eine Erkältung – aber eben auch pure Freude. Denn seit gestern steht fest, dass sich der Ranieser (Salzlandkreis) gegen vier andere Bewerber durchgesetzt und die begehrte Zuschauer-Wildcard beim YouTube Predator Cup (YPC) 2019 ergattert hat.

Ein Wettbewerb, der so etwas wie die Champions League für Angler und die große Bühne für den kleinen, exklusiven Kreis der Profi-Angler darstellt. Neben den Youtube-Stars der Angelszene sind zahlreiche, mit Sponsorenverträgen ausgestattete Profi-Angler, wie der amtierende Raubfisch-Weltmeister Enrico di Ventura und Vize-Europameister Jan Pusch, beim Predator Cup dabei.

Erstmals Wildcard vergeben

Erstmals hat der Veranstalter „HechtundBarsch“ für 2019 eine Wildcard vergeben. Unter Tausenden Einsendungen wählte der Veranstalter die fünf besten Bewerber aus, bis zum Sonntag konnten alle User in den Kommentaren unter dem Youtube-Video für ihren Favoriten stimmen. Wooßmann setzte sich durch und war dementsprechend - trotz Erkältung – gut gelaunt: „Ich darf dabei sein, das ist einfach Wahnsinn.“ Und vielleicht der erste Schritt hin zum großen Ziel: „Ich will mein Hobby zum Beruf machen“, so Wooßmann, „mit der Teilnahme am Predator Cup kann das gelingen“. Der Ranieser studiert Lebensmitteltechnik an der Hochschule Anhalt, hofft nun aber auf einen Sponsoringvertrag bei einem großen Angelsport-Hersteller. „Wenn mir das gelingt, kann ich mein Studium erst einmal auf Eis legen.“

Eine Einschätzung, die auch Toni Wehn, Co-Gründer und Geschäftsführer des veranstaltenden Angelportals „HechtundBarsch“, teilt: „Dieser Wettbewerb ist eine riesen Möglichkeit für Eric, sich zu präsentieren.“ Sollte Wooßmann überzeugen, hätte er gute Chancen, Angler in einem Profiteam zu werden. „Wenn er es in ein Team schafft, wird er promotet und erhält auch ein Jahresbudget vom jeweiligen Sponsor.“

Dementsprechend intensiv bereitet sich Wooßmann nun auf das Achtelfinale vor, das Anfang März in Holland ausgetragen und abgedreht wird. Im K.o.-System treten die Teilnehmer gegeneinander an, jagen nach den größten Hechten, Barschen und Zandern. „Wer von allen drei Fischarten am Ende die größte Gesamtlänge vorzuweisen hat, ist eine Runde weiter.“ Jeder Angler hat drei Stunden Zeit.

Schlafdefizit hält an

Egal, wie weit Wooßmann kommt, klar ist bereits jetzt: Sein Bekanntheitsgrad wird steigen. Allein die ersten 13 Episoden des diesjährigen YPC‘s schauten sich eine halbe Million Internetnutzer bei Youtube an – und dabei steht die Ausstrahlung des Finales erst noch an.

Auf welchen Profi Wooßmann 2019 in der ersten Runde trifft, erfährt er am Sonnabend bei der AngelWelt Berlin, Deutschlands größter Angelmesse. „Wer es letztendlich wird, ist mir egal“, so Wooßmann. Am Schlafdefizit des Ex-Motocrossers wird sich bis zur Auslosung erst einmal nichts ändern, „aber das ist okay, denn jetzt wird erst mal gefeiert“.