Magdeburg l Eine der größten Investruinen Sachsen-Anhalts steht vor dem Abriss. Der Investor gibt nach jahrelangem Gezerre um Fördergelder, Baugenehmigungen und geplatzter Eröffnungstermine sein Vorhaben „Sportparadies“ im Süden Halles auf. Dabei handelt es sich um einen Sport- und Freizeitkomplex mit einem Volumen von 34 Millionen Euro. Gut 15 Millionen hatte Investor Holm Lischewski schon investiert. Doch über ein paar Rohbauten war er auch 13 Jahre nach dem ersten Spatenstich nicht hinausgekommen.

Nun muss Lischewski, Apotheker aus Leipzig und gebürtiger Hallenser, Fördergelder über gut 650.000 Euro an die Stadt Halle zurückzahlen. „Das ist bereits erledigt“, sagte er Freitag der Volksstimme. So ganz abgehakt hat er aber das Thema Sportimmobilie noch nicht. Er überlegt, ob er einige Nummern kleiner auf einem Teil des Geländes doch noch etwas macht. „Das Thema Sport und Reha ist doch weiter wichtig“, erzählt er. „Aber Genaueres weiß ich erst im April oder Mai.“

Von Lischewskis Plänen und Visionen haben Hallenser schon viel gehört - allein, es fehlt vielen mittlerweile der Glaube. Halles Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) wollte schon im Februar die Reißleine ziehen, die Fördergelder zurückfordern und damit das „Sportparadies“ zur Hölle schicken. Im Stadtrat war die Stimmungslage geteilt - manche wollten Lischewski eine letzte Chance geben, zumal der Uni-Sportverein sich gern eingemietet hätte. Wiegand jedoch hatte schon lange Zeit kein Vertrauen mehr in die Abläufe. Er selbst war es, der schon voriges Jahr den Landesrechnungshof anrief, da mal nachzuhaken. Sein Verdacht wurde erhärtet. Denn im Juli legten die Prüfer einen verheerenden Bericht vor. Demnach hätte das Ganze nie und nimmer gefördert werden dürfen. Am Pranger standen Bauminister Thomas Webel (CDU) sowie das Landesverwaltungsamt. Beide sahen das anders. Der Rechnungshof aber hielt seine Kritik aufrecht. Nun, so der Rechnungshof, müsse das Landesverwaltungsamt prüfen, ob die Stadt Halle die Fördergelder ans Land überweisen muss. Denn die 650 000 Euro stammen aus der Landeskasse.

Lischewski hat einen Teil des Komplexes mittlerweile an einen anderen Investor verkauft. Der will Hallen abreißen, um Wohnungen zu bauen und Gewerbe anzusiedeln.

Lischewskis Sportparadies stand von Anfang an unter keiem guten Stern. 2007 gestartet, bekam der Bauherr bald Probleme mit dem Baugrund. Die Flächen waren kontaminiert. Allein der Bodenaustausch kostete 900.000 Euro. Dann kam das Gelände ins Rutschen. Bohrpfähle schlugen mit weiteren 400.000 Euro zu Buche. 2011 war das Geld alle, Firmen zogen ab, die Halle stand ohne Dach da. 2015 kam die scheinbar rettende Idee: Der Unisportverein mietet sich ein, sorgt für sichere Einnahmen und Fördergelder. Denn: Vereinssport wird staatlich gestützt. Doch das Förderkon-strukt erweist sich als faul: Der Komplex wird in drei Abschnitte geteilt, obwohl es eine große Halle ist. Die Baugenehmigung für den dritten Abschnitt will die Stadt aber erst erteilen, wenn die ersten beiden Bereiche fertig sind. Doch das geht nicht, weil Versorgungsleitungen erst gelegt werden können, wenn auch der dritte Abschnitt steht. Auch über eine Gesamtfinanzierung können sich Investor und Stadt nie einigen.