Magdeburg l „Vor fünf Jahrenhaben wir im Koch- und Servicebereich rund vier Monate gebraucht, um eine Lücke zu füllen. Heute sind es zehn“, beschreibt Michael Schmidt, Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands Sachsen-Anhalt, die Situation. Es sei „äußerst schwer, Fachpersonal zu gewinnen“. Kaum jemand wolle in der Küche oder im Restaurant arbeiten.

Die Zahlen der Arbeitsagentur bestätigen diese Aussage. Insgesamt gab es bis zum 15. Januar 1808 offene Stellen. Allein 299 Köche werden händeringend gesucht, im Gastronomieservice sind es 373 offene Stellen. Wobei das nur die Spitze des Eisbergs ist. Viele Restaurant und Hotels meldeten offene Stellen gar nicht mehr, weil sie es aufgegeben haben.

Das Maritim-Hotel hat als eines der größten und bekanntesten Häuser Sachsen-Anhalts bereits die Notbremse gezogen. Das Restaurant „da capo“ wurde geschlossen, weil es an Köchen mangelt. Die Alternative wäre gewesen, das Angebot im großen Restaurant „Sinfonie“ einzuschränken.

Probleme auch in Gommern

Auch die Wasserburg Gommern (Jerichower Land) steht im Sevicebereich fast blank da. „Wir brauchen mindestens zwei Kräfte“, sagt Geschäftsführerin Elzbieta Pastuch. „Wir bezahlen weit über Mindestlohn, daran kann es also nicht liegen, dass das Servicepersonal nach ein, zwei Jahren das Handtuch wirft.“ Ihr Blick richtet sich in die Zukunft: „Wir würden sehr gerne ausbilden – je zwei Azubis für Küche, Restaurant und Hotel.“ Aber auch bei Lehrlingen tendiere das Interesse gegen null.

Thomas Beier, Inhaber des Hotels Wippertal in Ilberstedt im Salzlandkreis, sieht in den „schwarzen Schafen“ innerhalb der Gastronomie einen gewichtigen Grund, dass kaum noch jemand in Küche und Restaurant arbeiten will. Konkret: „Schlechte Bezahlung, schlechte Arbeitsbedingungen.“ Auch er finde kaum Köche, aber das liege daran, dass er gehobene Küche anbiete. Er versuche potenziellen künftigen Mitarbeitern den „schönsten Beruf der Welt“ schmackhaft zu machen. „Ich koche regelmäßig mit Kindern in der Sekundarschule Güsten.“

Klaus-Dieter Poege vom Waldhotel „Alte Ziegelei“ Haldensleben (Bördekreis) sieht die Gastronomie „den Bach heruntergehen. Junge Leute haben kein Interesse mehr. Die sich doch noch entscheiden, wollen in 5-Sterne-Hotels, weil sie glauben, dort mehr zu lernen.“

Für Sebastian Riesner von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten Ost ist „das Gejammer der Arbeitgeber eine Provokation. Wäre die Bezahlung gut, könnten auch Stellen besetzt werden.“ Sachsen-Anhalt liege mit einem durchschnittlichen Monatsverdienst von 1593 Euro auf dem vorletzten Platz. Danach komme nur noch Mecklenburg-Vorpommern mit 1545 Euro.