Dessau-Roßlau (dpa) l Ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren hat nach einem Gutachten zum Tod eines 22-Jährigen geführt, in dessen Folge es in Köthen zu rechtsgerichteten Demonstrationen gekommen ist. Der Fall sei kompliziert, sie könne sich nicht auf eine Todesursache festlegen, sagte eine Rechtsmedizinerin und Internistin am Mittwoch vor dem Landgericht Dessau-Roßlau. Dort müssen sich zwei 17 und 18 Jahre alte Afghanen wegen schwerer Körperverletzung und Körperverletzung mit Todesfolge verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, den Köthener im September 2018 während eines Streits geschlagen und ihn, als er am Boden lag, getreten zu haben. Der herzkranke Deutsche starb wenig später. Die Angeklagten bestreiten die Attacke.

Die Rechtsmedizinerin konzentrierte sich in ihrem Gutachten auf die Herzerkrankung des 22-Jährigen. Dieser habe aufgrund eines angeborenen komplexen Herzfehlers ein erhöhtes Risiko für einen plötzlichen Herztod gehabt. Der Stress der Auseinandersetzung habe das Risiko gesteigert, das Ausmaß sei aber nicht zu beziffern. Es sei auch ein Schädel-Hirn-Trauma hinzugekommen. Die Medizinerin aus Jena betonte: "Es ist nicht sicher zu beweisen, dass der Patient an einem plötzlichen Herztod oder einem Herzinfarkt allein gestorben ist."

Die Kammer mit der Vorsitzenden Richterin Uda Schmidt ist seit dem Prozessauftakt Anfang Februar mit gegensätzlichen Aussagen konfrontiert. Während die beiden Angeklagten angaben, sie hätten den 22-Jährigen nicht einmal gesehen und schon gar nicht angegriffen, behaupten Zeugen das Gegenteil. Der Vorfall sorgte im vergangenen Herbst für Demonstrationen in der Kleinstadt. Angefeuert von Gerüchten um ausländische Tatverdächtige zogen rechte Bündnisse durch die Stadt.

Die Staatsanwaltschaft hat das Geschehen so rekonstruiert: Der 22 Jahre alte Mann soll zu einem Streit mehrerer Afghanen hinzugekommen sein, um zu schlichten. Daraufhin soll einer der Angeklagten ihn geschlagen haben, sodass der junge Mann stürzte. Der andere Beschuldigte soll ihm mindestens einen Fußtritt gegen Oberkörper oder Kopf versetzt haben. Wenig später war der Mann tot.

Der Prozess wird am 2. Mai fortgesetzt. Dann soll ein Rechtsmediziner das Hauptgutachten erstatten, zudem wird ein psychiatrischer Sachverständiger gehört.