Dessau-Roßlau (dpa) l Am Landgericht Dessau-Roßlau hat eine 44-Jährige gestanden, ihren Mann im vergangenen Sommer mit einem Obstmesser erstochen zu haben. Dabei brach sie immer wieder in Tränen aus, entschuldigte sich und erklärte, dass es ihr leid tue. Die Anklage geht davon aus, dass die Frau im Zustand verminderter Schuldfähigkeit handelte, da sie zum Zeitpunkt der Tat stark angetrunken gewesen sei. Zu der Tat kam es im Juli 2017 in einer Gartenanlage in Zörbig (Anhalt-Bitterfeld).

Die wegen Totschlags angeklagte Frau war mit ihrem Mann 1997 aus Kasachstan nach Deutschland gekommen. Während die Angeklagte gut Deutsch lernte und nach einer Umschulung einen Job als Altenpflegerin in Zörbig fand, gelang es ihrem Mann nicht, Fuß zu fassen. Nach ihrer Aussage fand er aufgrund seiner mangelnden Sprachkenntnisse keine Arbeit. In der Folge habe er zunehmend getrunken. Es sei immer öfter zum Streit gekommen, er habe sie massiv beschimpft.

Auch am Tattag kam es der Frau zufolge in der Gartenlaube zu einer lautstarken Auseinandersetzung. Ihr Mann sei stark angetrunken gewesen und habe nicht aufgehört, sie zu beleidigen. Da habe sie das auf dem Tisch liegende Obstmesser gegriffen und zugestochen. Es sei nur ein Tropfen Blut aus der Wunde gekommen. Danach sei sie nach Hause gefahren, habe Schlaftabletten genommen und sei zu Bett gegangen. Sie habe sich noch gewundert, dass ihr Mann nicht nach Hause kam. Am nächsten Tag habe sie ihn dann tot in der Laube gefunden und einen Gartennachbarn informiert.

Der Tote hatte laut Anklage 3,8 Promille Alkohol im Blut. Die Angeklagte nach eigener Aussage an diesem Abend fast eine Flasche Wodka getrunken. Wo sie das Tatmesser ließ, konnte die 44-Jährige nicht sagen. Sie war erst drei Monate nach der Tat als Verdächtige festgenommen worden. Aus Angst habe sie nicht sofort ein Geständnis abgelegt.