Haldensleben l Die globale Expansion von Ifa hat Folgen für die Belegschaft am Stammsitz in Haldensleben. Nach Informationen der Volksstimme will der Automobilzulieferer in den nächsten Monaten 50 Stellen streichen. Dabei steht vor allem die Abteilung Forschung und Entwicklung im Fokus. Besonders Mitarbeiter in der Probezeit und mit befristeten Verträgen soll es treffen.

Geschäftsführer gefeuert

Wie die Volksstimme erfuhr, wurde der zweite Geschäftsführer Eckart Reihlen bereits Anfang März freigestellt. Im Unternehmen wird ihm vorgeworfen, er habe Planungsfehler beim neuen Werk im polnischen Ujest begangen. Zu hören ist im Ifa-Umfeld aber auch, dass sich Reihlen gegen die Entlassungen gestemmt hat. Er soll der Überzeugung sein, dass das Unternehmen bei der Entwicklung nicht sparen darf. Heinrich von Nathusius und die Eigentümerfamilie würden jedoch auf eine hohe Rendite pochen, heißt es.

Ifa behält Details für sich

Ifa ist der größte Automobilzulieferer in Sachsen-Anhalt. Das Unternehmen ging aus dem Gelenkwellenwerk des Industrieverbands Fahrzeugbau der DDR hervor. Heute werden vor allem Antriebswellen produziert, die nahezu alle großen Autohersteller abnehmen.

Probleme in Polen

Ifa beschäftigt nach eigenen Angaben rund 3000 Mitarbeiter an acht Standorten. Zuletzt wurden Werke in den USA und Polen in Betrieb genommen. Doch in Ujest soll es erhebliche Probleme geben. Die Produktion für Seitenwellen ist nicht wie erwartet angelaufen. Auf Anfrage der Volksstimme gibt sich das Unternehmen zugeknöpft. „Der Aufbau eines neuen Werkes und der Anlauf eines hochkomplexen Produktes bedeuten für jedes Unternehmen besondere Herausforderungen, die es zu gestalten gilt“, teilte eine Ifa-Sprecherin mit.

Wachstum in China

Innerhalb der Ifa-Unternehmensgruppe sei „fortlaufend eine Überprüfung der personellen Struktur notwendig“, sagte sie. Man werde die Beschäftigtenzahl anpassen, „jedoch deutlich unter fünf Prozent“. Ob auch andere Standorte betroffen sein werden, erklärte Ifa nicht.

Die Ifa-Gruppe ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Im Jahr 2017 erwirtschaftete sie einen Umsatz in Höhe von 650 Millionen Euro, 2014 waren es noch 432 Millionen Euro gewesen. Erst im Dezember hatte Ifa angekündigt, 50 neue Arbeitsplätze am Standort Haldensleben schaffen zu wollen. Wie dieses Vorhaben mit den nun geplanten Entlassungen zusammenpasst, wollte die Geschäftsführung nicht kommentieren.

Besonders in China will Ifa weiter zulegen. Patriarch Heinrich von Nathusius, der weiterhin im Ifa-Beirat aktiv ist, kündigt Investitionen an. „Der chinesische Markt ist im Automobilbereich einer der zukünftigen Kernmärkte. Dort werden wir unser Engagement ausbauen“, sagte er. Sich hartnäckig haltende Gerüchte, dass möglicherweise bald ein chinesicher Investor bei Ifa einsteigt, bestätigte er nicht.