Magdeburg l Wer sich dieser Tage noch gegen Grippe impfen lassen will, sucht praktisch die Nadel im Heuhaufen. „Bei uns ist der Drops für diese Saison gelutscht. Alle 700 bestellten Dosen sind raus. Auch von anderen Kollegen höre ich, dass sich der Vorrat dem Ende zuneigt“, erklärt Stefan Andrusch, Facharzt für Allgemeinmedizin in Halberstadt und Chef des Hausärzteverbandes in Sachsen-Anhalt.

Dabei sind nach Angaben der AOK Sachsen-Anhalt die im Frühjahr 2018 bestellten 700.000 Impfdosen – 70.000 mehr, als in der Vorsaison verabreicht wurden – komplett geliefert worden. Der Großteil davon ist „verimpft“. Weil nichts mehr nachbestellt werden kann – der Hersteller braucht für die Produktion laut Apothekerverband eine Vorlaufzeit von sechs Monaten – ist eine flächendeckende Versorgung nicht mehr gewährleistet. Diesen Zustand bezeichnet Dr. Eike Hennig, Amtsarzt in Magdeburg, als ärgerlich: „Wenn Impfwillige nicht geimpft werden können, weil kein Serum da ist, dann ist das aus Sicht des Gesundheitsamtes grundsätzlich ein Problem.“

Der Landesapothekerverband sieht sich nicht in der Verantwortung. Dessen stellvertretender Vorsitzender, Thomas Rößler, erklärte: „Wir haben alle von den Ärzten bestellten Grippeimpfdosen pünktlich ausgeliefert. Engpässe gab es dabei nicht.“ Den derzeitigen Versorgungsnotstand erklärt er mit der gestiegenen Nachfrage. In diesem Winter hätten sich deutlich mehr Menschen immunisieren lassen. Die verheerende Grippewelle im Vorjahr sei vielen wohl eine Warnung gewesen.

Zudem stünde der im Gegensatz zu 2018 bessere Vierfach-Impfstoff allen Krankenversicherten kostenlos zur Verfügung. Das habe zum Ansturm auf die Praxen geführt. „Der Markt an Impfstoffen ist daher zwischenzeitlich so gut wie leer gefegt. Offensichtlich wurde die Nachfrage unterschätzt.“ Die Impfhersteller haben nur so viel hergestellt, wie angefragt worden sei. „Auf Halde kann heute niemand mehr produzieren“, so Rößler.

Auch die AOK bestätigte, „dass Grippe-Impfstoffe jetzt nicht mehr nachbestellt werden können“. Wie Sprecher Sascha Kirmeß erklärte, seien aber die meisten Menschen, die sich gegen Grippe impfen lassen wollten, bereits im Oktober und November „gut versorgt“ worden: „Wir erhalten derzeit nur vereinzelte Anfragen aufgrund von Impfstoffknappheit.“

Anrufen und nachfragen

Während das Gros der Praxen im Altmarkkreis, Harz oder Jerichower Land „noch ausreichend“ Impfstoff vermeldet, hat sich der Bestand in Gardelegen, Magdeburg, Möser oder Halberstadt teilweise bedrohlich gelichtet. Apotheker Rößler rät: „Wer heute noch dringend eine Grippeschutzimpfung benötigt, kann sich nur eigenständig auf die Suche begeben, bei den Praxen anrufen und nachfragen.“