Magdeburg l Die AOK Sachsen-Anhalt und die Hochschule Magdeburg-Stendal richten am Montag in Magdeburg eine Fachtagung „Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen“ aus. Nicht ohne Grund: Burnout, Depression, Motivationstief, Schlafstörungen - immer öfter macht die Arbeit auch in Sachsen-Anhalt psychisch krank. Egal welche Krankenkasse - der Statistik zufolge geht nach Erkältungen und Muskel-Skelett-Erkrankungen der drittgrößte Anteil an Krankschreibungen auf das Konto psychischer Störungen. Die Fehlzeiten lagen bei rund 13 Prozent. Besonders besorgniserregend ist der konstante Anstieg: Zwischen 2009 und 2018 nahmen die Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen um 64,2 Prozent zu. Außerdem führen sie zu langen Ausfallzeiten. Mit 26,3 Tagen je Fall dauerten sie 2018 mehr als doppelt so lange wie der Durchschnitt mit 11,8 Tagen je Fall.

„Psychische Erkrankungen sind ein wachsendes Problem in der Arbeitswelt“, konstatiert René Bethke, Leiter Gesundheitsmanagement der AOK Sachsen-Anhalt. Das Ganze stellt schlussendlich nicht nur eine große Belastung für die Patienten selbst dar, „sondern bedeutet auch einen enormen ökonomischen Schaden für die Betriebe“, begründet Bethke, warum sich die Fachtagung explizit an Führungskräfte, Personalverantwortliche, Personalvertreter und Koordinationsbeauftragte für Betriebliches Gesundheitsmanagement in Unternehmen richtet.

Egal ob Burnout, Depression oder andere – die Umstände, die diese Entwicklung begünstigen, sind die gleichen: „Über- oder Unterforderung im Beruf, Stress, schlechte Führung, Termin- und Leistungsdruck.“ Arbeitgeber können diese Risikofaktoren ausschalten oder zumindest minimieren. Ende des Jahres 2013 wurde das Arbeitsschutzgesetz explizit um die Beurteilung psychischer Belastungen erweitert. Damit sei zwar das Problem erkannt worden, doch noch immer sind viele Betriebe und Unternehmen verunsichert, wie sie diese vom Gesetzgeber vorgeschriebene Verpflichtung zum Schutz und zur Stärkung der Gesundheit der Beschäftigten wirksam umsetzen können. Bethge: „Wir möchten bei der Tagung durch praxisnahe Beispiele aufzeigen und klarmachen, dass Arbeitszufriedenheit, Wohlbefinden und Gesundheit eng zusammenhängen.“