Magdeburg (dpa) l Ein Jahr nach Einführung der Ehe für alle haben mehr als hundert gleichgeschlechtliche Paare in Sachsen-Anhalt geheiratet. Vor allem in den Großstädten Magdeburg und Halle war die Nachfrage hoch. In kleineren Städten wie Stendal, Quedlinburg oder Sangerhausen gaben sich dagegen nur relativ wenige homosexuelle Paare das Jawort, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur bei den Standesämtern ergab. Bei vielen Hochzeiten handelte es sich zudem Umschreibungen bestehender eingetragener Partnerschaften. Der Lesben und Schwulenverband (LSVD) forderte, der gesetzlichen Gleichstellung müsse nun die gelebte Akzeptanz im Alltag folgen.

In Halle wurden bis Mitte September nach Angaben der Stadt 80 gleichgeschlechtliche Ehen geschlossen. In Magdeburg waren es bis Ende August 76. In beiden Städten handelte es sich jedoch in 54 Fällen um die Umschreibung einer eingetragenen Partnerschaft, wie sie vor Einführung der Ehe für alle möglich war. Für die Umwandlung gelten die gleichen Vorschriften wie für eine Ehe, zuständig ist das Standesamt. Es werde ebenfalls ein feierlicher Akt im Trauzimmer vorgenommen, sagte Sandra Kindler vom Standesamt Quedlinburg.

Mehr lesbische Ehen

In der Welterbestadt im Harz gab es im ersten Jahr zwei solcher Umwandlungen, fünf neue gleichgeschlechtliche Ehen wurden geschlossen. In Stendal gab es vier Umschreibungen und drei neue Ehen, in Sangerhausen gab es nur eine Umschreibung und eine Eheschließung. Damit unterscheidet sich auch der Anteil gleichgeschlechtlicher Ehen an allen Ehen in kleineren Städten deutlich von Magdeburg und Halle. Dort wurde seit Oktober 2017 in fast jedem zehnten Fall ein homosexuelles Paar getraut. In Quedlinburg waren es dagegen nur rund fünf Prozent, in Sangerhausen nur zwei Prozent.

In Magdeburg und Halle heirateten mehr lesbische als schwule Paare. In der Landeshauptstadt wurden in 40 der 76 Fälle zwei Frauen getraut, in Halle waren es sogar 49 von 80. Über die Scheidung gleichgeschlechtlicher Ehen wird nach Angaben der Kommunen keine Statistik geführt. Soweit bekannt seien bislang aber noch keine der geschlossenen Ehen wieder geschieden worden. Die Ehe für alle war im Sommer des vergangenen Jahres vom Bundestag beschlossen worden. Zuvor war Bundeskanzlerin Angela Merkel vom klaren Nein der CDU in dieser Frage abgerückt. Bei der Abstimmung ohne Fraktionszwang stimmten auch Abgeordnete der Union für die gleichgeschlechtliche Ehe. Seit dem 1. Oktober 2017 können schwule und lesbische Paare in Deutschland heiraten.

Der LSVD forderte weitere Verbesserungen für homosexuelle Paare. Nächster Schritt müsse die Gleichstellung von Kindern sein, die in gleichgeschlechtlichen Ehen geboren werden. Der Ehemann einer Frau sei automatisch Vater ihres neugeborenen Kindes. Die Ehefrau einer Frau müsse das Kind hingegen erst adoptieren – aus Sicht des LSVD ein aufreibendes und langes Verfahren. Das sei ungerecht, hieß es.