Halle/Magdeburg (dpa) l Es mutet an wie eine Endlosschleife. Die Sprayer kommen, sprühen ihre Graffiti an Wände oder Gegenstände. Kommunen und Verkehrsunternehmen beseitigen die Bilder oder Zeichen für teures Geld. Die Deutsche Bahn registrierte nach eigenen Angaben in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen für 2017 rund 2700 Graffiti-Delikte, etwa so viele wie im Jahr 2016. Bundesweit indessen stiegen die Zahlen um 4 Prozent auf 18.000 Fälle. Für die Reinigung setzte die Bahn 10 Millionen Euro ein. Ein Quadratmeter Reinigung kostet 300 Euro, eine zerkratzte Scheibe zu ersetzen 500 Euro.

Um den Tätern ihr Geschäft zu vermiesen, setzt die Bahn neben der Bundespolizei auf ihre eigene Sicherheitstruppe. "Unsere speziell ausgebildeten Einsatzteams legen sich an Hot Spots auf die Lauer und stellen Sprayer auf frischer Tat", sagte ein Sprecher. Es gebe zudem konzertierte Großeinsätze. In Zusammenarbeit mit der Bundespolizei würden die Streifen an Schwerpunkten verstärkt. Ihre Anlagen zum Abstellen von Zügen bewacht die Bahn mit Technik und Personal. Wer erwischt wird, den bittet das Verkehrsunternehmen auf zivilrechtlichem Wege zur Kasse, um Schadenersatz zu bekommen.

Kosten für Halle und Magdeburg

Auch viele Kommunen kämpfen mit der Verschandelung durch illegale Graffiti. In Halle etwa musste die Stadt 2017 rund 50.000 Euro für die Beseitigung ausgeben. 2018 waren es seit Jahresbeginn bis jetzt rund 32.000 Euro. Der höchsten Wert der vergangenen Jahre lag 2015 allerdings bei 70.000 Euro.

Auch die Landeshauptstadt Magdeburg ist betroffen. "Der unter anderem für die städtischen Verwaltungs- und Schulgebäude verantwortliche Eigenbetrieb Kommunales Gebäudemanagement muss pro Jahr durchschnittlich rund 50.000 Euro aufbringen um Schmierereien an kommunalen Gebäuden zu beseitigen", berichtet Pressesprecher Michael Reif. "Hinzu kommen Brücken, Tunnel oder Lärmschutzwände, die in Zuständigkeit unseres Tiefbauamtes fallen und ebenso oftmals verunstaltet und dabei teilweise auch beschädigt werden."

Niedrige Aufklärungsquote

Die Polizeidirektion Nord verzeichnet über die Jahre einen rückläufigen Trend. Wurden 2007 noch 2850 Straftaten angezeigt, waren es 2017 noch rund 1580. Die Aufklärungsquote lag im vorigen Jahr bei 20,3 Prozent. Graffiti auf nicht genehmigte Flächen zu sprühen sei Sachbeschädigung, betont eine Polizeisprecherin. Wer strafrechtlich womöglich mit einem blauen Auge davonkommt, sollte sich klarmachen, dass zivilrechtliche Schadenersatzansprüche 30 Jahre bestehen blieben. Tipp von der Polizei: "Licht in Kombination mit einem Bewegungsmelder und aufmerksame Nachbarn schützen auch vor Sprayern. Und eine begrünte Fassade hält Sprayer ab", betonte die Sprecherin.

Die Polizeidirektion im Süden des Landes hingegen verzeichnete seit 2014 einen leichten Anstieg der Anzeigen wegen Graffiti-Schmierereien von 945 (2014) auf 1140 im Jahre 2017. Die Aufklärungsquote lag 2017 bei 12,5 Prozent. Bei der Polizeidirektion Ost standen 2017 knapp 670 erfassten Fällen 109 aufgeklärte Straftaten gegenüber.

Für die Ordnungshüter bei der Polizeidirektion Süd ist das Problem Graffiti indessen kein Kriminalitätsschwerpunkt. 2017 lag der Anteil von illegalem Graffiti im Landessüden bei 1,7 Prozent am Gesamtaufkommen der Straftaten.