Wie bewerten Sie das Mitgliedervotum?
Burkhard Lischka: Das war eine Sternstunde innerparteilicher Demokratie, von der sich andere eine Scheibe abschneiden können. Die Wahlbeteiligung war erfreulich hoch. Die Partei hat in einer schwierigen Situation intensiv und fair miteinander diskutiert.

Wie kam es zu diesem doch recht klaren Ergebnis?
In der SPD gab es eine breite Stimmung: Erst das Land, dann die Partei. In auch weltpolitisch schwierigen Zeiten mit einem Trump oder Erdogan stehlen sich Sozialdemokraten nicht einfach aus der Verantwortung wie die FDP. Ich bin stolz auf die SPD.

Wie geht es jetzt weiter?
Die eigentliche Arbeit fängt erst an. Wir müssen zuverlässig und glaubwürdig regieren und uns noch größere Ziele vornehmen. Es geht darum, wohin sich Deutschland in den nächsten Jahrzehnten entwickeln soll.

Konkret?
Es geht um soziale Gerechtigkeit und um Stabilität in Deutschland und Europa. Wie können in Zeiten der Digitalisierung neue Arbeitsplätze entstehen, wenn alte wegfallen? Wir brauchen in einer globalisierten Welt klare Spielregeln, um etwa Steuerflucht zu verhindern. Politik ist wie Radfahren: Wer nicht in die Pedale tritt, wird langsamer und kippt irgendwann um.

Was erwarten Sie von der Zusammenarbeit mit der CDU?
Die größte Schwäche von Angela Merkel sind Lethargie und bequemes Aussitzen. Die SPD wird Druck machen, etwa bei den Themen Pflege, Digitalisierung und ländlicher Raum.