Umweltminister Aeikens stellt Maßnahmenplan gegen "Vernässung" vor: "Übernehmen bundesweite Vorreiterrolle"

Grundwasserprobleme: Millionen-Fonds und ein härteres Baurecht

Von Winfried Borchert

Magdeburg l Überflutete Felder, vollgelaufene Keller, feuchte Hauswände, die Probleme durch hohe Grundwasserstände in Sachsen-Anhalt sind vielfältig. Entsprechend groß war das Interesse von Kommunalpolitikern, als Umweltminister Hermann Onko Aeikens (CDU) gestern in Magdeburg Pläne zur Lösung der Situation vorstellte.

Aeikens erklärte, die Landesregierung wolle mit dem in dieser Woche zu verabschiedenden Nachtragshaushalt 2011 einen 30 Millionen Euro umfassenden Fonds zur Lösung der "Vernässungsprobleme" im Land auflegen. Aus diesen Mitteln sollten für die nächsten Jahre lokale Planungen und Investitionen zur Behebung der vielfältigen Wasserprobleme finanziert werden.

An Vorschlägen dazu mangelt es nicht. Im Rahmen einer mehrwöchigen Fragebogenaktion waren aus der Bevölkerung sowie von kommunalen und anderen Experten mehr als 7000 Hinweise und 2000 Maßnahmenvorschläge eingegangen.

Etwa 27 Prozent der Landesfläche, und damit mehr als ein Viertel der Kommunen Sachsen-Anhalts, verzeichnen problematisch hohe Grundwasserstände. Dort liegt der Pegel weniger als fünf Meter unter dem Geländeniveau. An einigen Orten reicht es sogar, den Zeigefinger in die Erde zu bohren, um auf Grundwasser zu stoßen.

Die Ursachen dafür sind nach Erkenntnissen der Fachleute vielschichtig. Vor allem hätten die zurückliegenden vier Jahre mit ihren deutlich überdurchschnittlichen Niederschlagsmengen bestehende Probleme offengelegt beziehungsweise verschärft. Deutschlandweit sind seit 2009 etwa 35 Prozent mehr Niederschläge gefallen als im langjährigen Durchschnitt.

Das führte vielerorts dazu, dass Felder und Wiesen unter Wasser stehen, auch weil seit Jahren Entwässerungsgräben nicht ausreichend gepflegt beziehungsweise zur zusätzlichen Landgewinnung zugeschüttet worden waren. Anderswo, beispielsweise im Raum Staßfurt, hat man nach der Schließung von Bergwerken zahlreiche Wasserpumpen abgeschaltet, was zu einem Anstieg der Grundwasserspiegel führte.

Zugleich wurden viele Privatbrunnen stillgelegt, die Trinkwasserversorgung zentralisiert und ging der Trink- und Brauchwasserbedarf von Industrie und Haushalten insgesamt deutlich zurück. "Der Wasserbedarf in Sachsen-Anhalt ist heute nur noch etwa halb so hoch wie vor 20 Jahren", sagte Wolfgang Milch, Abteilungsleiter Wasserwirtschaft im Umweltministerium.

Minister Aeikens plant für die nächsten Jahre folgendes Vorgehen: Kommunen und regionale Verbände werden bei der Erstellung von Konzepten unterstützt. Zugleich finanziert das Land Maßnahmen in dicht besiedelten Regionen; unter anderem wird an die Installation von Schöpfwerken gedacht. Darüber hinaus werde man zugeschüttete Entwässerungsgräben wieder offenlegen müssen. Aeikens sprach von einem "Gewässerausbau". Zugleich befürwortete er eine Verschärfung des Baurechts. Flussauen und potenzielle Überschwemmungsgebiete sollten nicht mehr bebaut werden.

Der Minister möchte zudem Wissens- und Kommunikationslücken der beteiligten Behörden und Unternehmen abbauen und beispielhaft die Forschung auf dem Gebiet der Grundwasserproblematik vorantreiben. Sachsen-Anhalt übernehme dabei bundesweit eine Vorreiterrolle, sagte Aeikens und mahnte: "Unser Wasser-Management muss auch noch funktionieren, wenn mal vier trockene Jahre kommen sollten."