Hamburg l Am Wochenende kommt es im Hamburger Hafen zu einem ganz besonderes Schauspiel: Yvonne Koch möchte das Hausboot ihres verstorbenen Vaters mit dem Namen „Magdeburg“ verkaufen. Jahrelang hat Countrystar Gunter Gabriel (1942-2017, „Hey Boss, ich brauch‘ mehr Geld“) hier gelebt. Vor rauer Hafenkulisse begrüßt seine Tochter jetzt die vielen Besucher. „Es ist ein sehr besonderer und auch emotionaler Tag für mich. Es fällt mir schwer, das Boot loszulassen“, sagt Koch, bevor sie an Bord der „Magdeburg“ geht.

Nach dem plötzlichen Tod Gabriels im vergangenen Jahr hat Yvonne Koch nun beschlossen, das Hausboot zu verkaufen. Etwa 30 000 Euro soll das rund 100 Quadratmeter große Boot kosten. Neben einem Whirlpool mit Farbtherapie, den Gabriel einst als Gage nach einem Auftritt bei einem Bad-Spezialisten bekam, sei sein ganzer Stolz die original Tour-Küche von Opernstar Luciano Pavarotti gewesen. Eigenen Angaben zufolge hat Yvonne Koch 450 000 Euro Schulden von ihrem Vater übernommen. Über die vielen Anfragen und das große Interesse an dem Boot habe sie sich „irre“ gefreut.

Die Idee kam aus den USA

Seit 1999 hatte der Countrysänger auf der „Magdeburg“ gelebt. „Die Idee, auf einem Hausboot zu wohnen, hatte ich von Countrysänger Shel Silverstein. Der lebt in Kalifornien auf so einem Ding“, sagte der Sänger der Volksstimme 2002 in einem Gespräch. Damals berichtete die Zeitung darüber, wie Gunter Gabriel zu dem alten Arbeitsschiff gekommen war.

Bilder

Im Kohleschiffhafen von Hamburg hatte Gabriel die „Magdeburg“ zum ersten Mal gesehen. 23 Meter lang, fünf Meter breit. Baujahr 1972. Der Kahn war zu dieser Zeit bereits nicht mehr das, was er mal war – eine Arbeits-Schute für DDR-Binnenschiffer. Er war bereits ein Wohnboot. Eine Hamburger Familie hatte den Kahn 1994 im Originalzustand gekauft. Ein Händler hatte die rostigen Pötte zuhauf in Binnenhäfen der neuen Ländern an Land gezogen. Die Familie erwarb die „Magdeburg“ und machte das Boot bewohnbar. Auch Kopien der alten Schiffspapiere blieben erhalten.

Eigentümer war die Binnenreederei Magdeburg. Arbeiter hatten auf dem Pott gewohnt, die auf der Spree mit Ausbaggerungsarbeiten beschäftigt waren. Zwölf Mann bewohnten die „Magdeburg“ früher. Vier Kabinen mit Doppelstockbetten gab es, eine Kapitänskabine und einen Mannschaftsraum mit Kombüse. Geheizt wurde mit einer Eine Schwerkraftzentralheizung auf Kohlebasis mit dicken Rohren.

1994 bezogen

1994 hatte die Hamburger Familie mit mehreren Kindern die alte DDR-Schute im Hamburger Kohleschiffhafen bezogen – einem still gelegten Nebenarm mit reichlich Grün am Ufer. Doch dieser Nebenarm wurde im Zuge einer Rekultivierung zugeschüttet. 1999 verlegte die Familie ihren Wohnsitz deshalb wieder an Land. Zum Glück für Gunter Gabriel, der nun wie Shel Silverstein in Kalifornien endlich zu seinem Hausboot gekommen war.

Und nun soll die „Magdeburg“ erneut den Besitzer wechseln. Tochter Yvonne Koch wird angesichts der Besucher, die sich durch die Gänge drängeln, etwas wehmütig. Es sei das erste Mal, dass Menschen, die nicht aus dem Familienkreis stammen, das Boot nach dem Tod des Sängers betreten. Zeitweise streifen etwa 40 Besucher durch die Räume.

Käufer, Freunde und Weggefährten

Außer Journalisten und Kaufinteressenten kommen auch viele Freunde und Weggefährten von Gunter Gabriel. Sie erzählen Geschichten und Anekdoten über den Sänger. Die Zeit ist nicht spurlos an dem Boot vorbeigegangen. An manchen Ecken löst sich die Tapete, an anderen Stellen zeigt sich Rost.

Zwischen leicht angestaubten Bücherstapeln und mit Fotos und Postern fast vollständig bedeckten Wänden steht Ingrid Glodek gedankenverloren im Wohnzimmer. „Es ist, als komme er jeden Moment zur Tür rein“, sagt sie. Glodek und ihr Ehemann kannten Gunter Gabriel nach eigenen Angaben seit Jahrzehnten und kamen regelmäßig zu Besuch. „Er kochte Kaffee, wir brachten den Kuchen mit und dann redeten wir über Gott und die Welt“, so Glodek. Ein echtes Kaufinteresse hätten sie nicht, sie seien mehr aus Nostalgie da.

Robert Schlikheider hingegen ist extra aus Düsseldorf angereist, um sich das Boot anzusehen. Er sei von klein auf ein Fan von Gabriel gewesen und habe ihn über die Jahre bei Auftritten in ganz Deutschland getroffen. Er könne sich durchaus vorstellen, das Boot gemeinsam mit Freunden zu kaufen.

Auch Gabriels Tochter zeigt sich sehr offen, was die Zukunft der „Magdeburg“ betrifft. Sie fände es schön, würde daraus ein kleines Museum oder eine Bar, aber das sollte nicht erzwungen werden. „Genauso schön wäre es, wenn sich jemand entscheidet, hier zu wohnen. Es sollte jemand sein, der Spaß an dem Boot hat. Ein Ort, an dem gelacht wird.“  (mit dpa)