25-Jähriger aus dem Salzlandkreis erwürgt Prostituierte / Urteil wird morgen verkündet

Halberstädter Rotlichtmilieu: Tödlicher Streit um fehlende 20 Minuten Liebesdienst

Im Landgericht Magdeburg wird morgen das Urteil gegen den "Hurenwürger von Halberstadt" verkündet. Dem 25-Jährigen aus dem Salzlandkreis drohen bis zu 15 Jahre Haft, weil er Ende August 2011 in Halberstadt eine Prostituierte im Streit erwürgt hatte.

Seeland/Magdeburg l Es war das tödliche Ende einer lauen Sommernacht: Thomas B. aus Seeland (Salzlandkreis) ging mit seinem Kollegen am 26. August 2011 nach der Arbeit noch auf ein paar Bier in eine Kneipe. Die anstrengende Arbeitswoche wollten die beiden Männer dann auf besondere Art ausklingen lassen - ein Taxifahrer brachte sie zum Nachtclub "Lamour" in Halberstadt. Dort traf B. auf Olga O. aus der Ukraine. Die zierliche Frau, Mutter eines Zehnjährigen, und der untersetzte Brillenträger B. stießen mit Sekt an und gingen dann aufs Zimmer - 140 Euro sollte das 60-minütige Schäferstündchen kosten.

Nach dem Sex entbrannte jedoch ein Streit zwischen der Prostituierten und ihrem Kunden. Zwar hatten beide keine Uhr zur Hand, doch Olga O. war der Meinung, die Stunde sei um. Thomas B. fühlte sich "verarscht", wie er gestern im Gerichtssaal sagte. Er war der Meinung, ihm stünden noch 20 Minuten zu, packte die 32-Jährige, warf sie aufs Bett und schlug sie. Dann kniete er sich auf ihren Körper und würgte sie zwei Minuten lang bis zur Bewusstlosigkeit. "Ich wollte, dass sie ruhig ist", gab er bereits der Polizei zu Protokoll. Olga O., die am frühen Sonnabendmorgen von ihrem Lebensgefährten gefunden wurde, starb noch am gleichen Tag im Krankenhaus. B. hatte Olgas Kehlkopf eingedrückt, sodass ihr Gehirn nicht mehr durchblutet war.

"Sie haben den Tod der Frau billigend in Kauf genommen. Sie war bereits wehrlos", hielt Oberstaatsanwältin Martina Klein dem Angeklagten gestern in ihrem Plädoyer vor. B. attestierte sie "Reifeverzögerungen", er sei aber nicht betrunken gewesen und damit voll schuldfähig. Nur sein umfassendes Geständnis spreche für ihn. Klein forderte deshalb wegen Totschlags neun Jahre Freiheitsstrafe. Diesem Plädoyer schloss sich Verteidiger Thomas Voigt nicht an - aus seiner Sicht handelt es sich um Körperverletzung mit Todesfolge. "Mein Mandant wollte die Frau nicht töten und hat auch nicht so gehandelt", war Voigt überzeugt. Er hielt 4 Jahre Freiheitsstrafe für angemessen.

Zuvor hatte das Gericht sich viel Mühe gegeben, mehr über B.s Vergangenheit, sein Verhältnis zu Mädchen und seinen Adoptiveltern herauszufinden. Doch der blockte weitgehend ab: "Alles normal." Allerdings wurde der gelernte Koch bereits 2004 vom Amtsgericht Aschersleben rechtskräftigt verurteilt, weil er eine Minderjährige gewürgt hatte. "Das war ich nicht", sagte B., doch der Vorsitzende Richter Dirk Sternberg wurde deutlich: "Es drängen sich Parallelen auf." "Was ich über den Angeklagten in Erfahrung bringen konnte, gibt Anlass zur Sorge", sagte Gutachter Stephan Pecher. B. sei zwar nicht psychisch krank, könne Gefühle aber nicht richtig wahrnehmen oder zulassen. Bei B.s Pflegeeltern sei das zweitrangig gewesen. Außerhalb des Elternhauses ist B. bereits mehrfach mit Betrug, Einbruch und Diebstählen aufgefallen. Das Adoptivkind habe nur einmal kurz eine Freundin gehabt, für Sex gehe er immer ins Bordell. "Wenn es wieder zu so einer Situation kommt, kann es sein, dass er wieder impulsiv reagiert", warnte Pecher.

Sieht das Schwurgericht den Totschlags-Vorwurf als erwiesen an, drohen B. nun bis zu 15 Jahre Haft. "Ich habs getan, keine Frage. Aber ich wollte nicht, dass sie stirbt", waren seine Schlussworte.