Magdeburg l Die Suche nach Fach- und Nachwuchskräften im Handwerk spitzt sich zu. Von den Unternehmen, die nach qualifiziertem Personal suchen, geht mehr als die Hälfte leer aus. 42 Prozent der Firmen schaffen es, die Stellen nur mit großem Aufwand zu besetzen. Nur bei sieben Prozent verläuft die Suche nach Mitarbeitern problemlos. Das ist das Ergebnis einer Sonderumfrage zur Fachkräftesituation der Handwerkskammer Magdeburg (HWK). Größte Hindernisse weiterhin: Die demografische Entwicklung und die zunehmende Zahl von Schulabgängern, die sich für ein Studium entscheiden.

Einer, der Glück hatte, ist Malermeister Mike Klose. Der Magdeburger konnte kürzlich einen jungen Kollegen einstellen. Der braucht eine Weile, um in den Beruf hineinzuwachsen. Zeit, die Klose gern investiert – aufgrund der Situation aber auch investieren muss. 17 Mitarbeiter arbeiten für die Genossenschaft. „Die Auftragsbücher sind für die kommenden sechs Wochen voll“, sagt Klose. Doch der boomende Markt verschärft zusätzlich den Bedarf an Fachkräften. 95 Prozent der Unternehmen erwarten laut Umfrage für das kommende Quartal eine gleichbleibende oder verbesserte Geschäftslage. „Trotz zunehmender Risiken für die deutsche Wirtschaft zeigt sich die Handwerks-Konjunktur äußerst robust. Der Mangel an Fachkräften bremst uns aber aus“, sagt Burghard Grupe, Hauptgeschäftsführer der HWK Magdeburg. Die Zahl der Beschäftigten illustriert das.

Obwohl saisonbedingt ein negativer Saldo zu erwarten wäre, haben mehr Betriebe die Zahl der Beschäftigten erhöht (neun Prozent) als reduziert (acht Prozent). Für die Entscheidung der Firmen, Personal dauerhaft zu halten, macht Grupe die verschärfte Situation auf dem Arbeitsmarkt verantwortlich. Fachkräfte saisonbedingt zu entlassen und dann wieder zurückzuholen sei inzwischen ein Wagnis, so der HWK-Chef. Auch Malermeister Mike Klose hat seine Leute in den vergangenen Jahren allesamt über die Wintermonate beschäftigt. Das Risiko, jemanden zu verlieren, geht er nicht ein.

Insgesamt gab es im Kammerbezirk zum Jahresende 12 351 Betriebe, 2,4 Prozent weniger als 2017. Die Zahl der Beschäftigten sank leicht auf 68 500. Bei den derzeit 3744 Azubis gab es einen leichten Zuwachs. Das Handwerk erwirtschaftete im vergangen Jahr einen Umsatz von 6,9 Milliarden Euro (+2,2 Prozent). Prognose für 2019: Der Umsatz nimmt leicht zu, die Zahl der Beschäftigten sinkt.

"Gezielter müssen Unternehmen ihre und die Vorzüge des Berufs an allen Schulformen präsentieren", sagt unser Autor im Kommentar "Betriebe müssen dazulernen".