Ballenstedt l Großalarm zu nächtlicher Stunde im Harzort Ballenstedt: In der Lindenallee steht die Eingangstür eines Wohnhauses in Flammen. Das Feuer hat bereits auf die Dachkästen übergegriffen und frisst sich im Dachstuhl nach oben. Eine junge Frau, die gerade zufällig mit ihrem Hund unterwegs ist, rettet den ahnungslosen Bewohner im Haus wohl vor dem Allerschlimmsten. Sie klingelt Sturm, weckt den Hund des 45-Jährigen, der anschlägt und so den schlafenden Hausbesitzer weckt.

Da ist es schon fast zu spät. „Als ich im Flur war, stand die Eingangstür schon lichterloh in Flammen“, berichtet der 45-Jährige. „Ich hatte großes Glück und konnte das Haus über den Hinterausgang noch unbeschadet verlassen.“ Die Uhren zeigen 3.03 Uhr, als die Passantin die schlafenden Einwohner in benachbarten Häusern wachklingelt und in der Rettungsleitstelle im Sekundentakt Notrufe eingehen. Als wenig später die ersten Feuerwehren vor Ort eintreffen, steht das Dach des Hauses bereits lichterloh in Flammen.

Die Polizei geht von Brandstiftung aus. „Wir haben zwei Benzinkanister gefunden – von einem die Reste, ein weiterer mit Brandbeschleuniger“, so Sprecher Uwe Becker. Um welche Substanz es sich handele, müsse noch geprüft werden. Aktuell werde wegen schwerer Brandstiftung ermittelt, einen konkreten Tatverdächtigen hat die Polizei nach Beckers Worten noch nicht im Visier.

Dass aus diesem Tatvorwurf letztlich Ermittlungen wegen versuchten Mordes werden können, hält der Halberstädter Oberstaatsanwalt Hauke Roggenbuck durchaus für wahrscheinlich: „Wer nachts ein Haus in Brand setzt, in dem arg- und wehrlose Menschen schlafen, nimmt deren Tod billigend in Kauf, handelt heimtückisch und erfüllt damit ein Mordmerkmal ganz klar“, so der Chef der Strafverfolgungsbehörde in Halberstadt. Selbst auf Mordversuch stehe eine lebenslange Haftstrafe, so der Jurist.

Eingangstür angesteckt

Laut Polizei brach das Feuer im Bereich der Eingangstür aus. Dieser Fakt deckt sich mit den Angaben von Zeugen und vom Opfer. Demnach haben der oder die bislang unbekannten Täter wohl Benzin gegen die Tür geschüttet und diesen Brandbeschleuniger anschließend mit Hilfe einer Zündschnur entfacht. Der Versuch, auch das vor dem Haus geparkte Auto des 45-Jährigen in Brand zu setzen, scheiterte dank des beherzten Eingreifens der Passantin. „Die Frau trat die Zündschnur aus, so dass dieser Kanister und damit mein Auto nicht in Flammen aufgingen“, berichtet der Mann.

Das Feuer, das in der Nacht zum Mittwoch knapp 45 Wehrleute aus vier Orten über Stunden in Atem hielt, hat aber noch weit mehr Brisanz. In der Nacht zum 17. April wurde vor dem nun ausgebrannten Haus gegen 4.20 Uhr bereits der damalige Wagen des 45-Jährigen abgefackelt. Auch hier geht die Polizei von Brandstiftung aus.

Gut einen Monat später, am 22. Mai, stand unweit des Ballenstedter Rathauses die hölzerne Eingangstür eines Mehrfamilienhauses in Flammen – Tatzeitpunkt 2.30 Uhr. Ein Bewohner kletterte über das Fenster ins Freie. Die Feuerwehr rettete eine 35-jährige und eine 15-Jährige über eine Leiter aus dem Haus. Beide wurden verletzt.

Die Polizei prüft Parallelen zwischen den drei Brandanschlägen. Möglicherweise wird dabei auch die Brandstiftung vom 22. Mai zum versuchten Mordanschlag. Zu Gerüchten, wonach Streitigkeiten nach einer Trennung Anlass für die drei Taten sein könnten, will sich die Polizei nicht äußern. Auch das Brandopfer, dessen Haus beim Anschlag wahrscheinlich völlig zerstört worden ist, wollte sich in dieser Hinsicht nicht äußern.