Magdeburg l Handwerk und Gastgewerbe in Sachsen-Anhalt fordern die schnellere Auszahlung der sogenannten November-Hilfen des Bundes: "Es ist ärgerlich, dass die Politik Ankündigungen formuliert, die hohe Erwartungen wecken und dann doch enttäuscht werden", sagte Burghard Grupe, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Magdeburg, der Volksstimme.

Hintergrund: Zu Beginn des zweiten Lockdowns Anfang November hatte der Bund von Schließungen betroffenen Betrieben die Erstattung von Ausfällen zugesagt. Adressaten sind vor allem Gastronomie, Hotellerie, aber auch Soloselbständige.

Auszahlung bislang gering

Ersetzt werden laut Bundeswirtschaftsministerium bis zu 75 Prozent der Umsätze des Vorjahresmonats, erste Abschläge sollten ohne tiefere Prüfung bis Ende November gezahlt werden. Bei einem geschätzten Gesamtvolumen von bis zu 15 Milliarden Euro war bis Freitag (27. November) allerdings lediglich die Auszahlung von 18 Millionen Euro veranlasst worden.

"Wir brauchen die Hilfen jetzt schnell und unbürokratisch", sagte Burghard Grupe dazu. Viele Firmen hätten schon während des ersten Lockdowns ihr Eigenkapital aufgebraucht. Komme Hilfe nicht umgehend, drohe vielen das Aus; darunter auch Handwerksbetrieben, die als Auftragnehmer mittelbar vom Lockdown betroffen sind.

Der Landes-Hotel- und Gaststättenverband warnte ebenfalls vor einer Insolvenzwelle: Schon im August standen acht Prozent der rund 800 im Verband organisierten Hotel- und Gaststättenbetriebe vor dem Aus, sagte Präsident Michael Schmidt. "Kommen Zahlungen nicht rasch, könnten zum Jahresbeginn weitere zehn Prozent hinzukommen."

Schmidt, Inhaber von zwei Hotels in Naumburg, kritisierte, dass die Antragstellung über Steuerberater laufe. "Die direkte Beantragung über die Finanzämter wäre schneller gegangen."

Situation unzumutbar

Nach dem Beschluss von Bund und Ländern, den Lockdown vorerst bis 20. Dezember zu verlängern, wurden unterdessen auch die Hilfszahlungen auf den Dezember ausgedehnt. Marcus Faber, FDP-Bundestagsabgeordneter, sagte zum Stand der Auszahlungen: "Die Situation ist für die Selbstständigen in Sachsen-Anhalt unzumutbar." Er schlug vor, dass Hilfen für Dezember ohne Neuantrag vor Weihnachten ausgezahlt werden, um die Situation nicht zu verschlimmern. Gleiches müsse im Fall einer Fortsetzung von Hilfen auch im Januar gelten.

Firmen, die für die Novemberhilfen nicht infrage kommen, können alternativ Überbrückungshilfen zur Übernahme von Betriebskosten beantragen.

Dem Gastgewerbe geht es indes nicht nur um Hilfen. "Ich will wissen, ob Gäste zu Weihnachten zum Essen kommen können und wie es im Januar weitergeht", sagte Christian Wieland, Inhaber des Ringhotels Weißer Hirsch in Wernigerode. "Der Umsatz geht gegen Null, wir können nichts planen. Was wir brauchen, ist eine Perspektive."