Magdeburg l Fiete Schwuchow hockt auf der grünen Wiese im Florapark-Garten. Eine Carbonstange muss noch an den richtigen Platz, dann liegt der Genki-Drachen fertig zusammengebaut vor ihm. Drei Meter Spannweite, gerade mal 400 Gramm schwer. „Das ist ein sehr leichter Drachen mit viel Fläche, ein Hauch Wind reicht schon, damit er abhebt“, sagt der 62-Jährige. Schwuchow muss es wissen, bereits seit den 80er Jahren entwirft und kreiert er Drachen in allen möglichen Farben und Firmen. „Das Schönste daran ist, dass es sich um ein Familienhobby handelt, jeder kann mitmachen“, sagt Schwuchow. Entstanden ist der Drachen, der gerade fertig zusammengebaut vor ihm liegt, bei einem Workshop der Drachenfreunde des Magdeburger Elbwinds. Den Verein hat Schwuchow zusammen mit Sabine und Gerd Dilz 1995 gegründet. Die Familien lernten sich bereits in den 1980er Jahren bei einer Veranstaltung der Gesellschaft für Sport und Technik kennen. Seitdem haben sie sich gemeinsam dem Hobby rund ums Drachenbauen und -steigen verschrieben.

Einmal wöchentlich treffen sich die rund 17 Mitglieder in Magdeburg um ihre neuesten Kreationen steigen zu lassen und nehmen jährlich an rund acht Drachenfesten teil. „Wir bauen fast alle Drachen selber“, sagt Sabine Dilz, die in ihrem Leben bereits mehr als 130 Drachen selbst entworfen, genäht und dann gebaut hat. „Manchmal sieht man irgendwo ein Motiv und dann kommt schon wieder die Idee für eine neue Kreation“, sagt die 69-jährige Rentnerin freudig.

Wer sich mit Dilz über ihre Faszination für Drachen unterhält, bekommt schnell eine Ahnung davon, weshalb sich die 69-Jährige diesem Hobby verschrieben hat. „Wenn man den Drachen selber kreiert hat und er dann endlich fertig ist, kann man es kaum abwarten, ihn fliegen zu sehen“, erzählt Dilz, während sie einen Einleiner mit Marienkäfer-Motiv gerade abheben lässt. „Nur nicht ziehen, nie ziehen“, warnt sie. „Beim Drachensteigen geht es auch darum, die Ruhe zu bewahren.“

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Lenkdrachen versprechen Action

Mindestens zwei Windstärken und damit sechs bis elf Kilometer pro Stunde werden benötigt, damit ein Einleiner abheben kann. „Besser sind aber drei Windstärken“, sagt Dilz. Bei Drachen wird zwischen Einleiner -und Lenk-Drachen, die zwei oder vier Leinen besitzen, unterschieden. „Bei den Einleinern geht es mehr um Kreativität und das selber bauen“, erklärt Schuwchow. Bei Lenkdrachen hingegen gehe es vor allem um die Flugfähigkeit, daher seien diese meistens gekauft – und liegen im Trend. „Denn die versprechen mehr Action“, sagt Dilz.

Die Drachenfreunde kreieren lieber selber, überwiegend Einleiner. Wichtig dabei: Laut Luftverkehrsorndung darf man zwar überall in Deutschland Drachen steigen lassen, aber zu Hochspannungsleitungen und Strommasten müssen miindestens 600 Meter Abstand eingehalten werden, zu Flugplätzen sogar drei Kilometer. Deshalb treffen sich die Drachenfreunde aus der Landeshauptstadt entweder im Magdeburger Rothehornpark direkt an der Elbe oder aber hier im Florapark-Garten. Zwar sei der Wind nicht immer optimal, „aber dennoch ist Drachensteigen lassen ein Ganzjahres-Hobby für uns“, sagt Dilz.

Und das bedeutet eben auch, dass die Familie Dilz und andere Drachenfreunde aus der Umgebung gern mal die Tasche packen und gen Norden reisen. Ein Highlight im Jahr ist die Teilnahme am weltweit größten Drachenfest in Fano (Dänemark). In diesem Jahr fiel des Fest zwar offiziell aus, doch die Drachenfreunde aus Magdeburg reisten dennoch an die Nordseeküste, um sich mit anderen Enthusiasten auszutauschen. Schwuchow hat seine selbst gebauten Drachen sogar schon einmal auf der Chinesischen Mauer steigen lasssen.

Mehr Drachen verkauft

Doch ist das Hobby noch zeitgemäß? Schwuchow berichtet, dass die Anzahl der klassischen Drachenfeste in den vergangenen Jahren geringer geworden sei. Hingegen hat sich die Zahl der verschiedenen käuflich zu erwerbenen Drachen deutlich zugenommen. „Für die Jüngeren sind eher die schnellen Lennkdrachen von Interesse, die man zum Beispiel beim Kitesurfen verwendet“, sagt Schwuchow.

Zwar gehen die Drachenfreunde aus Magdeburg und Umgebung schon seit nunmehr 25 Jahren ihrem gemeinsamen Hobby nach, doch ein eigenes Drachenfest wurde bisher noch nie veranstaltet. „Wir würden gern eins ausrichten, aber bisher hat sich noch kein Veranstalter gefunden, der die Organisation übernimmt“, sagt Dilz. „Es wäre schön, wenn das mal klappt.“