Magdeburg (dpa) l Im zweiten Jahr der "Ehe für alle" sind allein in den größten Städten Sachsen-Anhalts mehr als 90 gleichgeschlechtliche Ehen geschlossen worden. Spitzenreiter ist Magdeburg mit 41 Ehen, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur bei den jeweiligen Standesämtern ergab. Die Gesamtzahl im Land dürfte jedoch deutlich größer sein. In allen Standesämtern der elf Landkreise und drei kreisfreien Städte gaben sich im Jahr 2018 mehr als 600 gleichgeschlechtliche Paare das Ja-Wort, wie das Statistische Landesamt mitteilte.

Der Lesben und Schwulenverband (LSVD) sieht in der Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare im Oktober 2017 einen Meilenstein für eine vielfältige Gesellschaft. "Dadurch ist auch die Akzeptanz für Schwulen und Lesben deutlich gestiegen", sagt LSVD-Sprecher René Mertens. Zuvor war lediglich eine eingetragene Partnerschaft möglich. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte das Thema vor gut zwei Jahren als "Gewissensentscheidung" der Abgeordneten bezeichnet. Daraufhin machten Fraktionen im Bundestag Druck, kurz darauf stimmte eine große Mehrheit für die Öffnung der Ehe.

"Es wird häufig vergessen, dass wir jahrelang dafür gekämpft haben", betont Mertens. Der Kampf habe sich gelohnt, dennoch gebe es noch viele Baustellen: So sei vor allem in Schulen Homo- und Transphobie weit verbreitet. Zudem werde bei lesbischen Paaren nur eine Partnerin offiziell Mutter. Ehepaare, die aus Mann und Frau bestehen, hätten dieses Problem nicht. Selbst wenn dort der Vater nicht der biologische Vater sei, werde dieser rechtlich als Elternteil gesehen.

In fast allen abgefragten Städten wurden jedoch weniger gleichgeschlechtliche Ehen geschlossen als im ersten Jahr der "Ehe für alle". Während beispielsweise das Standesamt Magdeburg mitteilte, dass im ersten Jahr noch 83 gleichgeschlechtliche Paare getraut wurden, waren es im Zweiten weniger als halb so viele. Deutlich zurück ging dabei die Zahl der Ehen, die aus einer bestehenden eingetragenen Partnerschaft umgewandelt wurden. Wurden zwischen Oktober 2017 und Oktober 2018 insgesamt 56 eingetragene Partnerschaften umgewandelt, waren es im Folgejahr nur 15. Die Zahl der neuen Eheschließungen blieb mit 26 nahezu gleich (Vorjahr: 27).

"Einerseits haben viele ihre Partnerschaft umwandeln lassen und zudem haben viele Paare gewartet, bis die Ehe geöffnet wird", erklärt sich Merten den Rückgang. Daher sei es nur logisch, dass die Zahlen im zweiten Jahr leicht zurückgingen.

Eine Steigerung der homosexuellen Eheschließungen wurde in den abgefragten Städten lediglich in Stendal verzeichnet. Dort gaben sich im ersten Jahr nur drei gleichgeschlechtliche Paare das Ja-Wort, während es im zweiten neun waren. Der Anteil der gleichgeschlechtlichen Ehen lag im Jahr 2018 laut Statistischem Landesamt bei rund 5,3 Prozent.