Magdeburg l Am 5. November hörte ein rumänischer Lkw-Fahrer an einer Bernburger Tankstelle Klopfgeräusche aus dem Anhänger. Der 44-Jährige informierte seine Firma in Bulgarien und diese wiederum die Polizei in Deutschland.

Die zuständige Bundespolizei in Magdeburg fand fünf Afghanen im Alter zwischen 15 und 30 Jahren auf der Ladefläche. Bei ihrer Vernehmung gaben die Geschleusten an, über den Iran, die Türkei, Griechenland, Bulgarien, Serbien und Rumänien gekommen zu sein. In Rumänien waren sie dann bei Nacht und Nebel auf den Lkw gestiegen. Angeblich ohne, dass der Fahrer davon gewusst hatte.

Rufe aus dem Lkw

In einem anderen Fall, hatte ein Passant an einer Ampel in Bernburg Rufe aus dem Lkw gehört. Bei der Untersuchung der Ladefläche durch die Polizei wurden fünf Afghanen vorgefunden.

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Seit Oktober war in Sachsen-Anhalt für sechs Lkw mit illegal Eingereisten die Fahrt zu Ende: Kabelsketal (Saalekreis, 15. 10.), Hermsdorf (Börde, 27. 10.), Landsberg (Saalekreis, 30. Oktober), Ursleben (Börde, 30. 10.) A 14-Parkplatz Sülzegrund (Börde, 3. 11.) und Ber nburg.

Pause in Sachen-Anhalt

Andreas Hesse von der Bundespolizeiinspektion Magdeburg kennt die Route: „Die Schleuser kommen über Prag, die A 17, A 4 und A 14. Von Prag sind es viereinhalb Stunden nach Deutschland. Sachsen-Anhalt liegt genau dort, wo die Fahrer eine Pause machen müssen.“

Die illegalen Einwanderer wüssten meist nicht, wohin die Fahrt genau geht. „Hauptsache nach Deutschland“, ist die Erfahrung des 1. Polizeihauptkommissars. „Sie schauen auf ihr GPS im Handy, stellen fest, dass sie in Deutschland sind und machen sich bemerkbar.“

Als Gründe für ihre illegale Einreise geben die meisten „politische Zustände“ und „gefährliche Lage“ in ihren Herkunftsländern an. Einige auch die wirtschaftliche Lage. „Wobei das nach unserer Erfahrung zumeist der Hauptgrund ist“, sagt Hesse.

2000 Euro für die Reise

Es habe aber auch schon Fälle gegeben, wo die Geschleusten eigentlich nach Dänemark oder Schweden wollten. „Aber Deutschland war dann für sie auch okay.“ Es seien hauptsächlich Lkw aus Rumänien und Bulgarien, in denen „Illegale“ transportiert werden. Eine Schleusung koste zwischen 1500 und 2000 Euro, so Bundespolizistin Romy Gürtler.“

Ein Teil der Geschleusten hat Papiere, die meisten jedoch nicht“, weiß Hesse. „Sie werden erkennungsdienstlich behandelt – Fingerabdrücke genommen, Fotos gemacht.“

Sie werden zuerst in das Erstaufnahmeobjekt in Magdeburg gebracht, später in die Zentrale Aufnahmeeinrichtung Halberstadt. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge überprüft, ob ein Anspruch auf Asyl besteht. Ist das nicht der Fall wird abgeschoben.

„Die Staatsanwaltschaft prüft die strafrechtliche Seite der illegalen Einreise“, sagt Hesse. „Als Strafe droht bis zu einem Jahr Haft. Aber bei Ersttätern wird das Verfahren zumeist aufgrund von Geringfügigkeit eingestellt.“

Um denjenigen, die das Leid der Menschen finanziell ausnutzen, das Handwerk zu legen, gebe es eine enge Zusammenarbeit mit Rumänien und Bulgarien, so der Ermittler. „Aussagen der Fahrer und Geschleusten, Telefonnummern und andere Ermittlungsansätze bringen uns Schritt für Schritt weiter.“

Gegen 239 Schleuser ermittelt

2019 wurde in Mitteldeutschland in 232 Schleusungsfällen und gegen 239 Schleuser ermittelt, die 534 Menschen – hauptsächlich Ukrainer, Moldauer, Iraker, Vietnamese und Russen illegal über die Grenze gebracht haben. Die Top 5 der Schleuserländer waren Rumänen, Moldauer, Ukrainer, Serben und Syrier.