Magdeburg l Von der ehemaligen Bergbaustätte bis zur Schuhfertigung: Zum Tag der Industriekultur öffneten am Sonntag zahlreiche Denkmäler in Sachsen-Anhalt für Besucher. Das Technik-Museum Magdeburg zeigte zum Beispiel eine Ausstellung zu 200 Jahren Fahrrad und lud gleich noch zu einer Tour in die Umgebung ein – zum Beispiel in das Schiffshebewerk Rothensee im Magdeburger Norden.

Dort führte Betriebsleiter Marcel Bremer und Urania-Mitarbeiter am Vormittag mehrere Besuchergruppen durch die Anlage. Das 1938 in Dienst gestellte Schiffshebewerk war jahrzehntelang die wichtigste Verbindung vom Mittellandkanal in den Magdeburger Hafen und von dort in die Elbe. „Besonders häufig werde ich gefragt, ob das Hebewerk noch arbeitet“, erzählte Betriebsleiter Bremer. Und tatsächlich: Zwar wurde die Anlage altersbedingt 2006 stillgelegt. Mit einer Troglänge von 85 Metern, einer Breite von 12 Metern und einer Wassertiefe von 2,50 Metern waren die Abmessungen für moderne Großmotorgüterschiffe zu klein. Diese Schiffe durchfahren inzwischen eine neue Schleusenanlage.

Aber 2013 konnte dank des Engagements vieler Technikbegeisterter der saisonale Weiterbetrieb des alten Hebewerkes für die Fahrgast- und Freizeitschifffahrt durchgesetzt werden. „Es gibt eine Handynummer, da können auch Kanuten anrufen, wenn sie gehoben werden möchten“, erzählt der Betriebsleiter. Drei Euro kostet eine solche Hebung zum Beispiel für ein „muskelbetriebenes Kleinfahrzeug“ – so der Fachbegriff.

Gleich in mehreren Führungen wurden beim Tag der Industriekultur auch die ehemalige „Optische Telegraphenlinie Berlin-Koblenz“ vorgestellt und erläutert. Im 19. Jahrhundert wurden mit den Anlagen optische Signale über mehrere hundert Kilometer übermittelt. Die Stationen waren mit Fernrohren ausgerüstet, mit denen Telegrafisten speziell codierte Informationen von einer signalisierenden Station ablasen und sie unmittelbar an die jeweils folgende weitergaben. Am Sonntag konnten Besucher zum Beispiel einen voll funktionsfähigen Telegrafenmast in Ziegeldorf/Möckern (Jerichower Land) und die Telegrafenanlage im Stationsgebäude Neuwegersleben (Börde) in Augenschein nehmen.

Auch der Süden Sachsen-Anhalts war beim Tag der Industriekultur präsent. Die Zeugen der Bergbaugeschichte in Sangerhausen wurden Interessierten bei Touren im Erlebniszentrum Röhrigschacht Wettelrode vermittelt. Erstmalig beteiligte sich in Weißenfels das Museum am Tag der Industriekultur: Es gab Einblicke in die Schuhindustrie, die die Stadt jahrzehntelang prägte. Zeitzeugen waren eingeladen.

In der Welterberegion Anhalt-Dessau-Wittenberg hatte der Tourismusverband eine Fahrrad-Sternfahrt zum Heizhaus am Gröberner See im Naturpark Dübener Heide organisiert – dort wurde einst Braunkohle abgebaut. Dabei wurden bekannte und unbekannte Zeugnisse der Indus­triegeschichte des Landes vorgestellt – in Ferropolis, Delitzsch, Dessau und Coswig.