Magdeburg l Seit mittlerweile mehr als einem Jahr arbeitet Elisa Preuschoff im Erlebnisdorf Parey. Mal hilft sie an der Rezeption aus, mal kümmert sie sich um Gäste-Anfragen und erledigt alle anfallenden Tätigkeiten im Backoffice. Immer darauf bedacht, dass der Arbeitsalltag nicht zu stressig wird.

Gelernte Augenoptikerin

Preuschoff ist eigentlich gelernte Augenoptikerin, konnte als Epileptikerin aber nicht mehr in ihrem ursprünglichen Beruf weiterarbeiten. Irgendwann sprach sich im Ort herum, dass im Erlebnisdorf Parey mehrere Menschen mit Beeinträchtigung eine neue berufliche Heimat gefunden haben. „Also habe ich einfach mal angefragt“, erzählt Preuschoff. Mit Erfolg.

Wenn es bei der Arbeit zu stressig wird, zieht sich Preuschoff in das eigens für sie eingerichtete Büro zurück und tankt neue Energie. Möglich ist das nur, weil es mit dem Integrationsamt in Sachsen-Anhalt eine Behörde gibt, die sich für Menschen wie Preuschoff und damit für die Integration von Menschen mit Beeinträchtigung im Berufsleben einsetzt. „Ohne die Zusammenarbeit mit dem Integrationsamt könnten wir nicht so viele Menschen mit Beeinträchtigung bei uns beschäftigen“, sagt auch Ingo Januszewski, der die Personalabteilung im Erlebnisdorf Parey leitet.

Mit mehr als 12 000 Euro gefördert

Allein für den Arbeitsplatz von Preuschoff bekam das Unternehmen, das inzwischen acht Mitarbeiter mit Beeinträchtigung oder Schwerbehinderung beschäftigt, eine Fördersumme von mehr als 12 000 Euro. Finanziert werden Förderungen wie diese durch die Ausgleichsabgabe.

Die müssen in Deutschland alle Arbeitgeber entrichten, die im zurückliegenden Kalenderjahr ihre gesetzlich vorgegebene Beschäftigungspflicht nicht erfüllt haben. Das bedeutet: Fünf Prozent der Arbeitsplätze müssen im Unternehmen mit schwerbehinderten oder beeinträchtigten Mitarbeitern besetzt sein.

Das Integrationsamt in Sachsen-Anhalt hat innerhalb von 30 Jahren rund 415 Millionen Euro zur Teilhabe schwerbehinderter Menschen auf dem ersten Arbeitsmarkt bereitgestellt. Allein zwischen den Jahren 2004 und 2019 wurden knapp 1800 Bewilligungen für den behindertengerechten Umbau von Arbeitsplätzen erteilt, wie das Landesverwaltungsamt mitteilte.

Im vergangenen Jahr gab die Behörde knapp 19,6 Millionen Euro aus. Im Vorjahr waren es rund 19,5 Millionen Euro gewesen. Das Geld wird wie bei Preuschoff zum Beispiel dafür verwendet, eine umfangreiche Büroausstattung zur Bewältigung der Aufgaben im täglichen Arbeitsleben anzuschaffen. In einem anderen Beispiel konnte das Unternehmen 2013 einen alten amerikanischen Schulbus dank einer Förderung in Höhe von 23.000 Euro anschaffen und somit einen schwerbehinderten Mitarbeiter als Fahrer für Veranstaltungen einstellen. „Alle Mitarbeiter mit Beeinträchtigung sind besonders dankbar für die Chance, die wir ihnen geben“, sagt Januszewski. Für das Unternehmen ist es eine Win-win-Situation. „Denn wir bekommen im Gegenzug hoch motivierte Mitarbeiter.“

Von diesen Erfolgserlebnissen weiß auch Beate Olma zu berichten. Sie arbeitet seit 1991 als Sachbearbeiterin beim Integrationsamt, das dem Landesverwaltungsamt angegliedert ist. Zusammen mit 29 anderen Mitarbeitern kümmert sich Olma um die Belange von schwerbehinderten Menschen in Unternehmen und Betrieben. „Kein Tag ist wie der andere, wir lernen immer dazu“, sagt die 58-Jährige. „Wir verstehen uns als Dienstleistungsbehörde für Arbeitgeber, wenn es darum geht, Arbeitsplätze auszugestalten.“ Jährlich machen die Mitarbeiter des Integrationsamtes rund 900 bis 1200 Betriebsbesuche. Auch Olma sagt: „Es stimmt, schwerbehinderte und gleichgestellte Menschen sind besonders dankbar für die Unterstützung.“ Wichtig sei vor allem, dass Mitarbeiter wie Preuschoff entsprechend ihren Fähigkeiten eingesetzt werden. „Wenn diese Fähigkeiten gefördert werden, können diese Mitarbeiter genauso 100 Prozent bringen wie andere Mitarbeiter.“

Finanzieller Ausgleich für Handicaps

Bestehende Handicaps versuche das Integrationsamt dann mit der Bereitstellung von Fördermitteln auszugleichen. „Wir erhalten zwischendrin immer wieder Anrufe von Arbeitnehmern oder Arbeitgebern, die sich bedanken. Das sind tolle Momente“, erzählt Olma.

Doch das war nicht immer so. Vor allem in der Anfangszeit und damit in den ersten Jahren nach der Wende hatten Olma und ihre Kollegen viele Fälle auf dem Tisch, die vom besonderen Kündigungsschutz betroffen waren. Arbeitgeber müssen nämlich vor der Kündigung des Arbeitsverhältnisses eines schwerbehinderten oder gleichgestellten Menschen die Zustimmung des Integrationsamtes einholen.

„Das war in der Anfangszeit teilweise schon deprimierend, wie viele Fälle wir da auf dem Tisch hatten“, erzählt Olma. Erst ab Mitte der 1990er Jahre hätte die Begleitende Hilfe im Arbeitsleben, einer von drei Arbeitsschwerpunkten des Integrationsamtes, an Bedeutung gewonnen. „Wir hatten viele Erfolge in den folgenden Jahren.“

Rückzug, wenn es zu stressig wird

Seit mittlerweile 24 Jahren arbeitet Anne-Kathin Zeitke beim Integrationsfachdienst. Sie berät auch Elisa Preuschoff und deren Arbeitgeber im Arbeitsleben, ist immer wieder mal im Pareyer Erlebnisdorf zu Besuch. „In Parey werden behinderungsgerechte Einschränkungen berücksichtigt und leidensgerechte Arbeitsplätze geschaffen“, sagt Zeitke. Sie ist die Brücke zwischen Arbeitgeber und dem Integrationsamt, in erster Linie aber für die Betreuung der Arbeitnehmer zuständig.

Zum Beispiel dann, wenn es um die Eingliederung in den Berufsalltag geht und Unstimmigkeiten auftreten. „Auch das kommt mal vor, vor allem bei psychischen Behinderungen.“ Und ist Zeitke zuversichtlich: „Wir zeigen den Menschen eine Perspektive auf und wenn es dann funktioniert, sind diese unendlich dankbar.“