Magdeburg l „Wir müssen bei den anstehenden Sondierungsgesprächen früh auf die Regulierung der wachsenden Wolfspopulation drängen“, sagte Sven Schulze am Wochenende. Das Thema müsse Inhalt der Koalitionsverhandlungen und Auftrag der neuen Bundesregierung sein. Man müsse „jetzt Nägel mit Köpfen machen“.

Ostdeutsche sollen es selber regeln

Zwei Punkte will Schulze im Koalitionsvertrag verankert wissen: Erstens soll sich die neue Bundesregierung bei der EU für eine Lockerung der strengen Schutzregelungen einsetzen, die eine Bejagung bisher untersagen. Zweitens soll die Koalition für einen auf Regionen abgestimmen Regulierungsplan eintreten. Damit könnte man in einzelnen Gebieten wie Sachsen-Anhalt eingreifen, in denen es bereits Probleme mit Wölfen gibt, sagte Schulze. Bislang werde ein solcher Plan von der EU nur für ganz Deutschland akzeptiert – Interessenkonflikte gebe es aber vor allem in Ostdeutschland.

Unklare Haltung der Regierung

Rückenwind erhält Schulze aus der Staatskanzlei. „Wir unterstützen das“, sagte Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU). Er hatte den Wolf bereits im März zur Chefsache erklärt und auf Lockerungen der Schutzvorgaben gedrängt. Obwohl der Vorstoß nicht mit anderen CDU-Landesverbänden abgestimmt ist, kommt auch aus Niedersachsen Unterstützung: „Die unklare Haltung der Bundesregierung beim Thema Wolf hat bislang Probleme verursacht“, sagte CDU-Sprecher Gert Hahne. „Eine klare Maßgabe wäre jetzt gut.“ Das Nachbarland wählt am Sonntag einen neuen Landtag.

Wolfssichtungen in der Altmark

Stendal (ta) Der Wolf sorgt in der Altmark zunehmend für kritische Diskussionen. Die Menschen sorgen sich um ihre Sicherheit, Landwirte um ihre Tierherden, Tierschützer hingegen um den Bestand der Wölfe. Die Volksstimme hat zusammengefasst, wie oft der Wolf bisher in der Altmark in Erscheinung getreten ist.

  • 8. Juni 2013: Ein Wolf ist auf dem Truppenübungsplatz Altmark gesichtet worden. Es ist eines der ersten Bilder, die ein Wolfsaufkommen in der Altmark dokumentiert. Foto: Bundesforst Nördliches Sachsen-Anhalt

    8. Juni 2013: Ein Wolf ist auf dem Truppenübungsplatz Altmark gesichtet worden. Es ist eines...

  • 17. Juni 2013: Ein weiterer Wolf auf dem Truppenübungsplatz Altmark in der Colbitz-Letzlinger Heide gesichtet worden. Foto: Bundesforst Nördliches Sachsen-Anhalt

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  • 17. Juli 2013: Auf dem Truppenübungsplatz Altmark in der Colbitz-Letzlinger Heide wurden junge Wölfe gesichtet. Sie sind mit einer Wildkamera aufgenommen worden. Es ist eines der ersten Bilder mit Jungwölfen in der Altmark. Es scheint sich hiier ein Rudel angesiedelt zu haben. Archivfoto: Bundesforstbetrieb Nördliches Sachsen-Anhalt

    17. Juli 2013: Auf dem Truppenübungsplatz Altmark in der Colbitz-Letzlinger Heide wurden jun...

  • 2015: Mit Schildern wie diesem, das vor einem Vierteljahr am Waldrand von Potzehne bei Gardelegen hing, wird darauf hingewiesen, dass Wölfe in diesem Gebiet nach Beute suchen. Archivfoto: Cornelia Ahlfeld

    2015: Mit Schildern wie diesem, das vor einem Vierteljahr am Waldrand von Potzehne bei Gardelegen...

  • 30.3.2015: Philipp Koevel sichtete einen Wolf auf der Straße von Dobbrun in Richtung Osterburg. Foto: privat/Philipp Koevel

    30.3.2015: Philipp Koevel sichtete einen Wolf auf der Straße von Dobbrun in Richtung Osterbu...

  • 23. Juni 2015: Und wieder ist ein Wolf auf dem Truppenübungsplatz Altmark in der Colbitz-Letzlinger-Heide mit einer Wildkamera aufgenommen worden. Archivfoto: Bundesforstamt Nördliches Sachsen-Anhalt

    23. Juni 2015: Und wieder ist ein Wolf auf dem Truppenübungsplatz Altmark in der Colbitz-Let...

  • 2016: Mit einer Wildkamera sind auf dem Klietzer Platz mehrere Filmsequenzen aufgenommen worden, von denen dieses Foto stammt. Foto: privat/Dirk Rahnfeld

    2016: Mit einer Wildkamera sind auf dem Klietzer Platz mehrere Filmsequenzen aufgenommen worden, ...

  • 4. August 2016: Die Wildkamera hält am dieses Bild mit den zu diesem Zeitpunkt noch recht kleinen Wolfswelpen auf dem Gelände des Truppenübungsplatzes Altmark in der Colbitz-Letzlinger Heide fest. Foto: Bundesforst Nördliches Sachsen-Anhalt

    4. August 2016: Die Wildkamera hält am dieses Bild mit den zu diesem Zeitpunkt noch recht kl...

  • 23.7.2016: Neugierig guckt einer der fünf Wolfswelpen in der Colbitz-Letzlinger Heide in die Wildkamera. Foto: Bundesforst Nördliches Sachsen-Anhalt

    23.7.2016: Neugierig guckt einer der fünf Wolfswelpen in der Colbitz-Letzlinger Heide in die...

Der Wolf in Sachsen-Anhalt

Haldensleben (an) l Der Wolf treibt in Sachsen-Anhalt immer öfter sein Unwesen und reißt dabei oftmals Schafe. Die Vorfälle, bei denen der Wolf auf den Mensch und seine Nutztiere trifft, häufen sich.

  • Wolfgang Merda (links) und Adolf Winter stehen im Dezember2016 neben dem gefundenen Hirschkalb bei Havelberg. Foto: Wolfgang Masur

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  • Im Februar 2016 riss ein Wolf Schafe der Hobby-Schafzüchterin Petra Huth bei Uthmöden. Foto: Ivar Lüthe

    Im Februar 2016 riss ein Wolf Schafe der Hobby-Schafzüchterin Petra Huth bei Uthmöden. ...

  • Schäfer Christian Kruse mit einem Schaf, dass einen Wolfsangriff im November 2016 bei Haldensleben überlebte. Foto: Alexander Rekow

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  • Anfang Dezember 2016 spaziert ein Wolf durch eine Gartenanlage in Rathenow. Screenshot: Facebook/Undine Voigt

    Anfang Dezember 2016 spaziert ein Wolf durch eine Gartenanlage in Rathenow. Screenshot: Facebook/...

  • Mit einer Wildkamera sind auf dem Klietzer Platz bei Havelberg mehrere Filmsequenzen im September 2016 aufgenommen worden. Foto: Dirk Rahnfeld

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  • Ein Wolfsrüde wurde im September 2016 auf dem Truppenübungsplatz in Altengrabow gesichtet. Foto: Klaus Puffer

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  • Fassungslos standen Mario Amtage und Edmund Herrmann (v. li.) im April 2015 vor den Überresten eines der getöteten sechs Damwild-Tiere in Westenjerichow. Foto: Bettina Schütze

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FDP zurückhaltend

Die Reaktion des potenziellen Regierungspartners FDP fällt verhalten aus. „Wir nehmen das zur Kenntnis“, sagte Sachsen-Anhalts Landesvorsitzender Frank Sitta. Für eine Kommentierung aber sei es viel zu früh.

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Die Grünen widersprechen entschieden: „Wir halten gar nichts davon, jetzt auf Bundesebene vorzupreschen“, sagte der umweltpolitische Sprecher im Landtag, Wolfgang Aldag. Er verwies auf eine Entscheidung der Länder-Agrarminister vom April. Die Minister beschlossen damals, das Bundesumweltministerium solle zunächst prüfen, wie gefährdet der Wolf tatsächlich ist. In Abhängigkeit vom Ergebnis soll der Bund erst danach einen Antrag auf Lockerung des Schutzstatus bei der EU erwägen.

Organisationen in Sachsen-Anhalt reagierten mit geteiltem Echo. Man brauche klare Vorgaben zur Zielgröße der Bestände und eine darauf aufbauende Regulierung, sagte Jagdverbandspräsident Hans-Heinrich Jordan. „Bedauerlich“, nannte Annette Leipelt vom Naturschutzbund Deutschland die Forderungen. Das Land habe das Thema Wolf jahrelang vernachlässigt. Jetzt werde es einseitig von Wolfsgegnern besetzt.

Auch die Kenia-Koalition in Sachsen-Anhalt setzt den Wolf erneut auf die Agenda. Am 17. Oktober will der Koalitionsausschuss über den Umgang mit „Problemtieren“ beraten.